20 Jahre Kunstverein Meissen 1992 - 2012

PRESSEARTIKEL und TEXTE



Die Welt im Kleinen

Sächsische Zeitung vom 26. November 2016, von Lilli Vostry

Die Welt im Kleinen - Arbeiten von 90 Künstlern im Format 30 mal 30 laden zum Schmunzeln und Nachdenken ein in der Jahresendausstellung des Kunstvereins Meißen.

Die Welt im Kleinen

Arbeiten von 90 Künstlern im Format 30 mal 30 laden zum Schmunzeln und Nachdenken ein in der Jahresendausstellung des Kunstvereins Meißen.

Sie haben alle ihren Platz: kleine wie große Momente und Dinge, die im schnellen Alltag oft unbemerkt bleiben, zum Träumen, Staunen, Schmunzeln und Nachdenken versammelt die Ausstellung „30 x 30 Das kleine Format“, die am vergangenen Sonntag im Domizil des Kunstvereins Meißen am Markt mit reger Besucherresonanz eröffnete. Sie zeigt Malerei, Grafik, Collagen, Objekte und Fotografie von 90 Künstlern aus der Region und deutschlandweit, die vielfarbig und vielgestaltig die Welt mit allem Zauber und Kontrasten und verschiedensten künstlerischen Mitteln betrachten.

Da treffen Konkretes und Abstraktes, reale und fantastische Landschaften, Figürliches, Porträts und Stillleben in locker großzügiger, aber teils auch willkürlich wirkender Hängung aufeinander. Da beflügeln die fröhlich-bunten Leo-Vögel des Zeichners Kay Leonhardt Herz und Geist mit Sprüchen wie: “Es kommt anders, wenn man denkt“ oder „Wenn du fliegen willst, lass los, was dich nach unten zieht.“ Tummeln sich schwarz gefiederte „Hafengäste“ in einem Bild von Ulrich Jungermann. Steht ein Clown vor einem halb am Boden liegenden „Trommler“, immer noch den Stab hoch haltend in einer Grafik von Frank Schmidt und erheitern die „Phrasenfluchlinge“ des Malers Jochen Rohde.

Zart schwebende Aquarelle mit Titeln wie „Traum III: Begegnung“ von Silvia Ibach hängen neben einer mit den Herbstblättern wirbelnden Tänzerin in einem bemalten Keramikrelief von Manuela Neumann. In den leuchtend farbigen Wimmelbildern von Dorothee Kuhbandner sieht man Naturgeister, Gesichter und Paare “Beschirmt“, so ein Bildtitel. Simone Ghin lässt „Blaue Blumen“ aus Seide auf der Leinwand erblühen und lädt zu einem traumhaften „Mondspaziergang“ ein.

Die Porzellangestalterin Else Gold setzt augenzwinkernd auf einen Teller mit kunstvoll angerichteter Porzellanwurst ein Püppchen. Darunter tummeln sich auf einem Ölbild Glücksschweine. Meißen im Novemberlicht hat Steffen Gröbner festgehalten und Rita Geißler einen schneeweißen „Apfelbaum im Winter“ und die Landschaft am Peenestrom. Urlaubsvorfreude wecken die Momentaufnahmen von der Ostsee der SZ-Fotografin Claudia Hübschmann.

„Wir haben uns dieses Jahr für das kleine Format entschieden, damit viele Künstler teilnehmen können und um den kleinen Dingen, die man leicht übersieht, Raum zu geben“, sagt Daniel Bahrmann, Vorsitzender des Meißner Kunstvereins zur Ausstellung. Bei der großen Auswahl an Bildern gibt es für jeden etwas zu entdecken und ist sicher auch das eine oder andere Weihnachtsgeschenk dabei, hofft er. Da es dieses Jahr nicht so viele Verkäufe an Kunstwerken gab, sei die finanzielle Situation etwas klamm und der Kunstverein froh über jede Spende in der Weihnachtszeit, so Bahrmann. Dafür wurden und werden die Meißner und Besucher der Stadt weiterhin mit beachtenswerten Ausstellungen belohnt.

Neun Ausstellungen gab es dieses Jahr, ein spannendes und abwechslungsreiches Ausstellungsjahr steht auch 2017 bevor, so Bahrmann. Sechs Ausstellungen sind geplant, darunter „Bilder und Lichtbilder“ in Malerei und Film von Maja Nagel und Julius Günzel ab 29. Januar und eine Sommerausstellung der Meisterschüler der Klasse Monika Brandmeier der Dresdner Kunsthochschule. Die Ausstellung „30 x 30 Das kleine Format“ ist bis 23. Dezember zu sehen und auch an den Adventsmarkt-Wochenenden geöffnet. Der Eintritt ist frei. Passend dazu öffnet eine weitere Ausstellung, „Engel an Rosa“, die über ein Dutzend Künstler aus der Region mitgestalten, am 1. Advent am 27. November, um 15 Uhr im Büro für Kunststücke, Tür an Tür neben dem Kunstverein Meißen.

Kunstverein Meißen e.V., Markt 9, Bennohaus 01662 Meißen, Tel.: 03521 – 476650
Öffnungszeiten der Ausstellung: Di bis Fr 11 – 18 Uhr und Sa 10 – 15 Uhr, Eintritt frei

Sächsische Zeitung vom 26. November 2016, von Lilli Vostry



Fluss im Wandel - Wandel im Fluss

DNN vom 12.Mai 2016, von Heinz Weißflog

Elbe - eine Sonderausstellung in der Albrechtsburg Meißen und im Kunstverein Meißen e.V.

Eine altes griechisches Sprichwort besagt: "Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen". „Alles fließt", panta rhei, philosophierte Heraklit und machte den Fluss zum Gleichnis für ein universales Grundgesetz. Flüsse sind seit jeher Orte der Zivilisation. An ihren Ufern haben die Menschen ihre Städte und Dörfer errichtet. Von ihm leben sie. Auch an der  Elbe. Die  Elbe ist seit alters her für ihre Anwohner ein lebenswichtiger Fluss gewesen und prägt bis heute ihr Leben wie keine andere elementare Kraft. Wohlstand und Notstand in einem. Eine Ausstellung von 38 Künstlerinnen und Künstlern in der Albrechtsburg Meißen und im Bennohaus (Kunstverein Meißen e.V.) beschäftigt sich mit dem Fluss und reagiert mit ganz eigenen Antworten auf das Phänomen  Elbe. Auch und besonders auf den Wandel durch Menschenhand, die zunehmende Industrialisierung und ihre Eingriffe in die Natur. Alle Künstler haben einen biografischen Bezug zum Oberelberaum, leben hier oder in der Nähe und sind mit dem Fluss auf ganz ureigene Weise verbunden.
Der dominante Ausstellungspart in der Albrechtsburg fällt durch seine Übersichtlichkeit und die sparsame Hängung der Bilder und die günstige Anordnung der Objekte auf. So hakt sich jede Arbeit im Gedächtnis fest, weil das Auge nicht überfordert wird. Erfrischend ist auch der Einstieg in die Ausstellung mit Katrin Süss' hintergründigen Rund-Objekten aus Papier, Klaus Dennhardts großer Leinwand "Flussufer " (Kreide, 2010) und Ulrike Mundts kleinen Tafelbildern mit Farbfeldmalerei („Signalflaggen", 2015/16). Gruselig wie angeschwemmte Überreste wirken dagegen die Objekte „fibula" und „talus" aus Silikon, Kautschuk und Elchhaar von Manuel Frolik. Gegenüber tritt man vor die beiden Ölbilder von Maria Mednikowa ("Elblandschaft im Herbst ", 2014) und Olaf Ambergs „Boote an der Elbe" (2014), sehr belebende, teils gegenständlich betonte, stimmungsvolle Panoramen vom Elbhang, sowie Ina Abuschenko-Matwejewas Elbe-Impression. Bianca Seidels Objekt "Atoll" (2014) spielt mit der Inselsituation, einem Konstrukt aus Blech und Glas, in die trockene Äste gelegt wurden. Jörg Mais “Pappeln" (2014) und Rita Geißlers Dresden Panorama ("An der Elbe") spielen mit atmosphärischen Erscheinungen und Spiegelungen am Ufer des Flusses. Richaaards Acryl-Trio spielt auf die kulinarischen Genüsse entlang der deutsch-böhmischen Grenzregion wie Knödel, Apfelstrudel und Dresdner Christstollen an.
Zwei farbige Zeichnungen von Sylvia Pasztor ( „Elbe im Blick", 2012) und Maja Nagel „Morgenspaziergang" (2015) widmen sich auf eher fantastisch-versponnene Weise dem Thema Fluss und Stadt, bei dem Alltag und Poesie keine Gegensätze sind. Das Ölbild „Baake“ (2014) von Matthias Schroller nimmt einen kleinen Landschaftsausschnitt (ein Schifffahrtssignal) in den Focus und vergrößert ihn überdimensional, während Frank Schauseil mit seinem Objekt "Rückenstück" aus Gips und Styropor Assoziationen an urzeitliehe Relikte heraufbeschwört. Christa Donner liebt es eher filigran. Ihre durchbrochenen Porzellane "Reihung" und u Wintersonne " (2014/16) entlocken dem Material poetische Stimmungen. An der Treppe zum nächsten Raum befindet sich Antje Krohns Fotografik „lm Nebel an der  Elbe" (2015), eine dunkle Szene von  Elbedämmerung mit dem hölzernen Gebälk von Schifffahrtszeichen.
Den Elbbogen hat Petra Kasten in freier, abstrakter Auffassung als Farbschwung ins Visier genommen. Susan Donath präsentiert den „Letzten Stör" auf einem festlich gedeckten Tisch mit fatalen Kostbarkeiten aus täuschend echt wirkender, bemalter Keramik. Raster und konstruktive Elemente (Tore) konfrontiert Anke Peters in ihrer Acrylarbeit mit Lack und Marker in einer Flusslandschaft („Selbstaktivierung am Fluss l,II", 2015) Eine poetisches Elbdetail zeigt Christa Jura mit ihrem Aquarell "Elb-Niedrigstand" von 2014. Mit seinen Farbfeldern aus montiertem Fahnenstoff erzeugt Jens Küsterseine „Spiegelung" (2016) am Fluss. Eher magisch geht es dagegen bei Franziska Kunath zu, die von den „Tränen am Fluss" (2008) erzählt.
In ihrer Reihe „ZEIT-Linien" stellt die Dresdner Malerin Kerstin Quandt ihre Auseinandersetzung mit dem Fluss der Zeit vor. In ihrer Arbeit "fern-sehen" sind wie auf einem Zeitstrahl diverse Schichtungen als Ablagerungen aufgetragen, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in sich tragen. Originell ist Frank Herrmanns sich wellenförmig und periodisch bewegendes kinetisches Objekt „Wasseralbum" (2003) mit historischen Fotos und Einzeichnungen von mixed media. Gudrun Trendafilov steuerte die Mischtechnik "Alle Wetter" bei, eine Strandszene mit badender Frau.  Elbeansichten beschäftigten Sylvia Frank, Thomas Hellinger, Gabi Keil und Anne Dubbe sowie Markus Lange mit einem Ölbild von einem schönen alten Schiffswrack ("Lost ", 2011).
Die lyrisch gestimmten Elblandschaften von Ulla Andersson (Acryl, Kreide) mit auf- und abfahrenden Schiffen geben eine lyrische Einstimmung in die fast stoisch wirkende Ausstellung im Benno Haus. Mari Emily Boley stellte ein klappbares, mehrteiliges Treibholzobjekt aus, das sie "Raureif" nannte. Hartmut Traches Radierungen auf Kupferdruckpapier vom "Elbland" (2011) überzeugen durch ihre lineare Dichte und lichte Atmosphäre, während Petra Graupner unter dem Titel "Wasserwege " eine mythische Figur aus Gips in den Raum gibt, die eine Allegorie auf die  Elbe darstellen könnte.
Neben den Schwarz-Weiß Fotografien von Luc Saalfeld (er wählte drei Arbeiten aus einem über 100 Blattstarken Konvolut aus seinem Zyklus „Elbspiegelung" von 1998 aus), die die Loschwitzer Brücke und Nahaufnahmen vom Treibeis zeigen, hat Frank Zadnicek mehrere digital bearbeitete Polaroids über Pillnitz und das "Erbe" in die Ausstellung gebracht, die sich mit dem Bau der Waldschlösschenbrücke auseinandersetzen. Die abstrakte Kaltnadel "Am Ufer" (2014) von Sylvia Frank schließt die sehr dichte und stimmige Präsentation ab.

 

Alles fließt

SZ Augusto vom 7. April 2016

38 Künstler der Region beschäftigen sich mit dem sie verbindenden Fluss Elbe.
Die Elbe ist gegenwärtig - ein Fluss, der sofort Bilder im Kopf indiziert, ein Fluss, der Emotionen hervorruft, ein Fluss, der weite Landstriche innerhalb Deutschlands verbindet, von Süd nach Nord, von Ost nach West und darüber hinaus. Die aktuelle Ausstellung ELBE auf der Meißner Albrechtsburg ist eine erneute Kooperationsausstellung der Albrechtsburg, des Künstlerbundes Dresden sowie  des Kunstvereins Meißen und des Bennohauses.  Bereits 2012 kooperierten diese Institutionen mit der Ausstellung OBEN in   den Räumen der Albrechtsburg Meissen und des Bennohauses sehr erfolgreich miteinander.
Vom müden Bächlein zum reißenden Strom
38 Künstlerinnen und Künstler mit biografischem Bezug zum OberelbeRaum beschäftigen sich mit dem sie verbindenden Fluss und präsentieren zeitgenössische bildende Kunst. Das Erscheinungsbild der Elbe verändert sich permanent - vom müden Bächlein zum reißenden Strom, vom schroffen Gebirge zur weiten Ebene, von ursprünglicher Natur zur gegenwärtigen Industrie. Der Mensch prägt den Flussraum und umgekehrt.  Als Inspirationsquelle und Lebensader durch Stadt und Landschaft bietet die Elbe ein sehr weites Spektrum an Interpretationen und Reflektionen innerhalb der bildenden Kunst.
Für viele der ausstellenden Künstlerinnen und Künstler ist die Elbe ein täglicher geistiger Begleiter auf dem Weg ins Atelier oder  direkt beim ersten Blick aus dem Fenster am Morgen. Viele sind in Elbnähe aufgewachsen, tragen Kindheitserinnerungen am, im und auf diesem Wasser in sich. Ob bei Hoch- oder Niedrigwasser, ob im Wechsel der Jahreszeiten, wer einmal diesen Fluss geschaut hat, weiß, dass geradezu eine  Notwendigkeit besteht, sich in einen Dialog mit seiner Lebendigkeit zu begeben.
Andere Arbeiten sind sehr assoziativ angelegt, spielen beispielsweise mit Flaggen der beiden von der Elbe durchflossenen Staaten oder basieren auf Beobachtungen der Binnenschifffahrt auf der Elbe. Nautische Signale werden künstlerisch verändert in ihrer Farbigkeit, gewinnen so eine ganz eigene, neue Kommunikationsebene. So ist die Kooperationsausstellung ELBE im übertragenen Sinne eine Einladung, sich der Gegenwart anhand eines Flusses zu stellen. Denn: Alles fließt - panta rhei.

 

Horizontal, schräg, geheimnisvoll

SZ Meissen vom 30. März 2016, Von Sebastian Hennig

Albrechtburg Meissen und Kunstverein Meissen - Ausstellung ELBE

38 Künstler blicken auf die Elbe – die aktuelle Sonderausstellung auf der Albrechtsburg nimmt den Fluss in den Blick.

Meißen. Vier Jahre nach der Ausstellung „Oben“ haben sich Albrechtsburg Meißen, Dresdner Künstlerbund und Meißner Kunstverein erneut zusammengetan, um Werke von 38 zeitgenössischen bildenden Künstlern aus der Region unter dem naheliegenden Motto „Elbe“ vorzustellen.

Kaum eine Landratte weiß die Signalfahnen der Fluss-Schifffahrt zu deuten. Die poetische Aura, mit der solche farbigen Felder jenseits ihrer präzisen Anweisungen an die Binnenschiffer auf den Spaziergänger einwirken, hat Ulrike Mundt in zwei Serien von makellos lackierten Farbfeldern aufgenommen.

Nahebei stehen auf Stäben die drei muschelartig gewölbten biomorphen Objekte „Elba“, „Albia“ und „Albis“. Kathrin Süss hat diese mikro-geografischen Sinnbilder aus dem Form-Repertoire der Talmulden, Flussbetten und Strudeltrichter geschaffen. Der rot lackierte, vorschriftsmäßige Feuerlöscher steht zwischen den glatten Signalen und den Ständern mit den Objekten beinahe etwas höhnisch auf seinem Fußkreuz. Ina Abuschenko-Matwejewa lässt ihre „Elbe“ in horizontal aufgeklebten Papierstreifen fließen. Vorn ist die Gouache-Farbe kräftiger kontrastiert, hinten schimmert sie im fernen Licht.

Manuel Frolik präsentiert auf Taburetts aus dunklem Tropenholz Abformungen, die wie angeschwemmte Gliedmaßen von verendetem Vieh aussehen. Verblichene Knochenformen sind von feinen Härchen überzogen.

Viele der Arbeiten stammen aus der allerjüngsten Vergangenheit und wurden offenbar eigens für die Ausstellung angefertigt. Wie das vorsichtige Verlagswesen dazu übergegangen ist seine „Books on demand“ auf Nachfrage herstellen, so produzieren unterdessen auch die Künstler Werke auf Bestellung, entsprechend der Wahrnehmungs-Chancen zu Wettbewerben und öffentlichen Ausstellungen. Das gilt freilich insbesondere für die dreidimensional arbeitenden Künstler. Die Landschaftsmaler können dagegen noch überwiegend aus ihrem Fundus schöpfen. Klaus Dennhardt hat sein „Flußufer“ bereits 2010 mit Kreide auf die Leinwand gebracht.

In dem neblig verhangenen Uferweidicht glänzen große Flusskiesel. Es könnten auch ruhende Schafe sein. Vorne wälzt sich bräunlich schimmernd der Strom. Im Vorüberfließen prägt der Fluss die Landschaft nachhaltig. Er durchströmt die Bilder der Maler als ein horizontales Band. Gabi Keil durchkreuzt den Wasserlauf mit den am Johannstädter Ufer aufragenden Hochhäusern. Mit peniblem Eifer addiert Nina May Tusche-Linse an Tusche-Linse zum strömenden Fluss.

Jörg Mai mit seiner altmeisterlichen Öl-Ei-Tempera verbirgt diesen hinter der Böschung eines Deichs. Die malerischen Anklänge von Oskar Zwintzscher und Paula Modersohn verschwistern sich in Gudrun Trendafilovs „Alle Wetter“. Auf dem Stein einer felsigen Bucht sitzt eine Frau, deren getürmte Haartracht verursachend in einen Wolkenbruch ragt.

In der Vielfalt, nicht allein der individuellen Handschriften, sondern vor allem der Genres bildnerischer Darstellung liegt der Vorzug dieser Ausstellung. Die sachliche Schönheit reiner Landschaftsdarstellungen, die Eleganz gemalter Sinnbilder und die mehrdeutigen Geheimnisse der Objektkunst bestehen nebeneinander. Weitere Beiträge zur Ausstellung können in der Galerie des Kunstvereins im Bennohaus besichtigt werden.

Von Sebastian Hennig

 

38 Perspektiven auf die "Elbe"

DNN vom 18. März 2016, Uwe Hoffmann

Albrechtburg Meissen und Kunstverein Meissen - Ausstellung ELBE

Albrechtsburg und Bennohaus zeigen Sonderausstellung

Meißen. Da bewegt sich etwas in der Albrechtsburg: Von Bewegungsmeldern in Gang gesetzt heben und senken sich drei auf dem Boden liegende, teppichartige Gebilde, als würden sie Wellen werfen. Die Installation von Frank Herrmann ist Teil der neuen Meißner Sonderausstellung „Elbe“, die nicht nur in der Albrechtsburg auf 400 Quadratmetern, sondern auch im Bennohaus des Meißner Kunstvereins gezeigt wird. Nicht nur ihr Wellengang passt zum Titel, auch das Material, aus dem Herrmann die drei quadratischen Teppiche gefertigt hat, erzählt seine ganz eigene Geschichte vom Leben am Fluss. Sie sind aus Fotoalben zusammengesetzt, die der Künstler nach dem Hochwasser 2002 aus dem Elbeschlamm gezogen hat.

Das ist eine Perspektive von insgesamt 38 auf das Thema Elbe, denn so viele Künstler beteiligen sich mit insgesamt 56 Arbeiten an der Ausstellungen, die in Kooperation von Albrechtsburg und Kunstverein mit dem Künstlerbund Dresden entstanden ist. Entsprechend breit ist auch die Palette künstlerischer Genre, von Landschaftsmalerei über Grafik und Fotografie bis zur Plastik. „Wir hatten anfangs die Befürchtung, dass viele Arbeiten zu diesem Thema romantisch verklärte Landschaftsgemälde sein werden“, sagt Tanja Mette-Zimmermann vom Künstlerbund. Die Vielzahl künstlerischer Zugänge, die von einer Verarbeitung von in der Binnenschifffahrt üblichen Signalen bis zu einer Nachformung von Treibholz durch zittriges Silikon reicht, was dem den Anschein nach harten Totholz plötzlich eine überraschend weiche Lebendigkeit verleiht, habe das gemeinsame Auswahlgremium überrascht. Viele Arbeiten zeigten die Elbe als einen von Menschen beeinflussten Naturraum, der seinerseits auf die Menschen einwirke. Alle beteiligten Künstler haben zumindest einen biografischen Zugang zur Oberelbe, die meisten stammen aus der Region.

In der Albrechtsburg ist der Großteil der Arbeiten in den üblichen Sonderausstellungsräumen zu sehen, die im vorigen Jahr von der Bier-Sonderschau veranschlagt wurden. In diesem Jahr habe man leisere, nichtsdestotrotz aber sehenswerte Ausstellungen zu künstlerischen Aspekten geplant, sagt Museologe Falk Dießner. Später im Jahr werden eine Schau mit Porzellanen folgen und, wenn alles gut gehe, eine Ausstellung mit Gemälden eines privaten Sammlers, die den Elberaum zeigen. Im nächsten Jahr sei dann wieder eine länger laufende Dauerausstellung zu einem kulturhistorischen Thema geplant: Bischof Benno.

In dem nach ihm benannten Bennohaus des Kunstvereins sind vor allem grafische Arbeiten und Fotografien versammelt. Bemerkenswert sind dort von Luc Saalfeld gemachte Bilder von Eisschollen auf der Elbe, die mit den gezeigten, natürliche entstandenen Strukturen eine grafische Qualität entwickeln. Auch sind Fotografien von der Baustelle der Dresdner Waldschlößchenbrücke zu sehen.

i20. März bis 22. Mai: „Elbe“ in der Albrechtsburg Meißen, 10-18 Uhr, Eintritt 2 Euro, ermäßigt 1 Euro und im Bennohaus, Markt 9, Di.-Do. 11-18 Uhr; Sa. 10-15 Uhr, Eintritt frei.

Von Uwe Hofmann

 

Grafikmarkt mit Besucherplus

Sächsische Zeitung vom 16.März 2016

 

 

Meißner Grafikmarkt

Sächsische Zeitung vom 14.März 2016, Sebastian Hennig

Kunstverein Meissen - Grafikmarkt 2016

Der Grafikmarkt in der Burg hat am Wochenende die Vielfalt der hiesigen Kunstszene gezeigt.

Meißen. Gegenüber den Grafikmärkten von Dresden und Radebeul, deren Anfänge in die 70er-Jahre zurückreichen, ist jener in Meißen noch verhältnismäßig jung. Zum ersten Mal fand er vor zwanzig Jahren statt. Da durch Achtlosigkeit der Termin im Rathaussaal 2012 doppelt belegt war, musste kurzfristig in die Albrechtsburg ausgewichen werden. Aus der Notlösung wurde ein Idealfall, der sich auch in diesem Jahr wunderbar bewährt hat.
Die Verteilung auf sieben Räume strukturiert die verschiedenen Angebote und reguliert den Andrang. Alle fünfzig Künstler sind bei ihren Angeboten persönlich gegenwärtig. Dorothee Kuhbandner zeigt bereits einen Kunstkalender fürs nächste Jahr. Für ihre Karten, Hefte, Leporellos und Schachteln hat der interessierte Besucher nicht viel zahlen.
Auch sonst muss kaum einmal tiefer in die Tasche gegriffen werden. Ein handkolorierter Holzschnitt des berühmten Meißner Künstlers Lothar Sell (1939-2009) ist am Stand des Kunstvereins bereits für den Betrag zu haben, für den man einmal Essen gehen könnte. Gegenüber betreut die studierte Theatermalerin Anja Hentze ihr Angebot. Auf spielerische Weise kerbt sie mit dem Linolschnittmesser aus der satt-schwarzen Fläche Linien und Lichter, die Figuren und Räume bilden. André Uhligs Kaltnadelradierungen „Der vergessene Hof“ und „Windiger Darßwald“ folgen den bewegten Strukturen der Natur. Nachdem Markus Retzlaff die Auflage einer riesigen Ansicht von Meißen abgedruckt hatte, sägte er die Platte schräg in zwei Teile, um diese später erneut zusammen zu drucken. Im Miniaturformat seiner Kupferstiche und Steindrucke lässt Bernd Hieke aus Elsterberg allerlei eigensinniges Getier huschen und fliegen, darunter Eulen, Raben, Fledermäuse und Stare.
Reiz einer chinesische Kalligrafie
Die zahlreichen anspruchslosen Landschaften, Stillleben und Stadtbilder von der Hand Uwe Jungermanns, Steffen Gröbners und ihnen verwandter Schilderer des naheliegend Sichtbaren widerlegen die Behauptung, dass die Erfindung der Fotografie den Malern die Wirklichkeitsdarstellung aus der Hand genommen hat. Gegenläufig dazu zeigen sich die Lichtbildner einer malerischen Ästhetik verpflichtet. Bei Gabriele Seitz dominiert das eindeutige Schwarz-Weiß der analogen Fotografie. Der Journalist Uwe Winkler, alias Doc Winkler, lebt seit fünf Jahren in Meißen. Seine fotografische Wachsamkeit gilt dem bröckelnden Hamburger Hof, ungewöhnlichen Blickwinkeln auf die Manufaktur oder den Touristenfüßen, die in Filzschlappen über das Saalparkett der Albrechtsburg huschen. Im April wird im Leipziger Lehmstedt-Verlag von ihm der Reiseführer „Meißen an einem Tag“ erscheinen. Lutz Anke und Annette von Bodecker-Büttner sind gestandene Illustratoren, die auf zahlreiche Buchveröffentlichungen zurückblicken. Hier zeigen sie neben angewandten Arbeiten auch freie Blätter.
Die Tuschzeichnung eines Sonnenblumenfeldes von Sylvia Fenk auf ockerbraunem Packpapier hat den Reiz einer chinesischen Kalligrafie. Doch insgesamt sind viele gezeigte Werke mehr Drucke als Grafiken. Der zeichenhaft-schriftliche Wesenszug der Grafik ist gefälliger farbiger Einfassung und dem bunten Signal gewichen. Das Bunte zieht offenbar immer.

 

Meißner Grafikmarkt am Wochenende auf der Albrechtsburg

DNN vom 11.März 2016, Uwe Hofmann

Kunstverein Meissen - Grafikmarkt 2016

Am Sonnabend und Sonntag öffnet wieder der Meißner Grafikmarkt mit Künstlern aus Meißen und der Region zwischen Dresden, Leipzig und Halle seine Tore. Die etwa 50 Künstler und Grafiker präsentieren ihre Arbeiten am an beiden Tagen von 10 bis 18 Uhr in den Ausstellungsräumen im Erdgeschoss der Albrechtsburg Meißen.
Artikel veröffentlicht: 11. März 2016 12:15 Uhr

Meißen. Am Sonnabend und Sonntag öffnet wieder der Meißner Grafikmarkt mit Künstlerinnen und Künstlern aus Meißen und der Region zwischen Dresden, Leipzig und Halle seine Tore. Die Künstler und Grafiker präsentieren ihre Arbeiten am an beiden Tagen von 10 bis 18 Uhr in den Ausstellungsräumen im Erdgeschoss der Albrechtsburg Meißen. Es nehmen 50 Künstler teil. In den letzten Jahren kamen laut Veranstalter Kunstverein Meißen und Albrechtsburg regelmäßig mehr als 5000 Besucher zum Meißner Grafikmarkt.

Neben vor allem in der Region bekannten Künstlern wie Gabriele Seitz, Ulrich Jungermann, Kay Leonhardt, Bärbel Voigt und Markus Retzlaff gibt es laut Mitteilung aus der Albrechtsburg in diesem Jahr auch ein besonderes Talent zu entdecken: Chris Löhmann, ein junger Künstler aus Dresden, der sowohl in der Streetart als auch in traditionellen grafischen Techniken zu Hause ist. 1988 in Bützow geboren, studiert er seit 2013 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Professor Peter Bömmels Malerei und Grafik. Obwohl noch Kunststudent, kann er inzwischen schon zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen und Einzelausstellungen vorweisen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Grafik auf verschieden Materialien und Formaten, wie Tuschezeichnungen und Radierungen mit kollagenhaften Motivagglomeration stark politischer und surrealen Sujets mit religiösen Anklängen. Sein illustrativer Zeichenstil in Kombination seiner Motivfindung ist junge und unkonventionelle Kunst. Will man in seinen Arbeiten eine Thematik ausmachen, so lässt sich das Wort “Transzendenz“ recht gut verwenden. Symbole, Figuren und Szenen, die sich mit der Überhöhung dessen beschäftigen, was wir im allgemeinen unter „menschlich“ verstehen, tauchen immer wieder auf. Dabei beschäftigt sich Löhmann immer wieder mit transzendenten Begriffen wie Gott, Freiheit, Ästhetik, politische Utopie. Auf dem Grafikmarkt wird er ein breites Portfolio zeigen können.

1996 statt. Die Filiale der Dresdner Bank am Heinrichsplatz diente in den ersten Jahren bis 2001 als Veranstaltungsort. Nach einer fünfjährigen Pause wurde der 6. Grafikmarkt 2007 im Bennohaus wieder belebt. Mit der Fertigstellung der Sanierung des Meißner Rathauses 2010 fand der Grafikmarkt für zwei Jahre im historischen Ratssaal statt. Mit dem Umzug in die Albrechtsburg Meissen im Jahr 2012 eröffneten sich für den Meißner Grafikmarkt neue Perspektiven. Dort habe man in den letzten Jahren eine positive Entwicklung genommen, meinen die Veranstalter. Der Eintritt ist frei.

Teilnehmerliste:

Lutz Anke, Sylvana Arndt, Daniel Bahrmann, Barbara Beger, Uwe Beyer, Sylvia Fenk, Dorit Fugh, Andreas Garn, Thorsten Gebbert, Sylvia Graupner, Steffen Gröbner, Christine Grochau, P. Manara Grund, Anja Hentze, Wolfgang E. HerbstSilesius, Bernd Hieke, Jürgen Höritzsch, Silvia Ibach, Ulrich Jungermann, Anja Kaufhold, Anke Kiermeier, Isabell Kirmse, Reinhard Klink, Noah Klotzsche, Antje Krohn, Dorothee Kuhbandner, Kay LEO Leonhardt, Chris Löhmann, Peter Padubrin Thomys, Nora Philipp, Anita Rempe, Markus Retzlaff, Jochen Rohde, Kathrin Schittkowsky, Frank Schmidt, Gabriele Seitz, Gudrun Trendafilov, Tamara Trölsch, Andre Uhlig, Ralf Uhlig, Annette v. Bodecker-Büttner, Anita Voigt, Bärbel Voigt, Angelika Walther, Alexandra Wegbahn, Dr. Uwe Winkler,

sowie Else Gold, Zündblättchen; Axel Helbig, Ostragehege; Silvio Colditz, Maulkorb; Jens Kuhbandner, Notschriften-Verlag, Andreas Kruschel, Bilderrahmenservice, Grit Yildiz, Buchbinderei.

Von Uwe Hofmann

 

 

Meißner Grafikmarkt

Sächsische Zeitung vom 10.März 2016

 

 

Meißner Grafikmarkt

Sächsische Zeitung vom 11.März 2016

 

 

Wochenkurier: Ausstellung "ÜberAusSchön"

Wochenkurier vom 27. 01. 2016, Text: Andre Schramm

MEISSEN. Unter dem Titel "ÜberAusSchön" ist vom 31. Januar bis 11. März eine neue Ausstellung im Kunstverein Meißen zu sehen. Die japanischen Porzelfanstadt Arita feiert im Jahr 2016 das 400jährige Jubiläum der Erfindung des Porzellans in Japan. Die Meißner Fotografin Claudia Hübschmann war in den letzten Jahren mehrmals in Arita. Während ihres Aufenthaltes fotografierte sie in den zahlreichen Porzellanmanufakturen der Stadt Arita und in deren Umgebung. Die Ausstellung im Bennosaal zeigt eine Auswahl der entstanden schwarz/weiß Fotografien. Diese geben einen Einblick in das vielfältige Schaffen japanischer Porzellankünstler. Alle ausgestellten Arbeiten sind 2013 in den Porzellanmanufakturen Aritas entstanden und erzählen ganz sensibel von der Einzigartigkeit des "Arita-Yaki" und vor allem auch von den Menschen die es erschaffen.

Quelle: Wochenkurier vom 27. 01. 2016, Text: Andre Schramm

 

Sächsische Zeitung: Was macht die Kunst?

Der Kunstverein Meißen zählt mit seinen 11 000 Besuchern 2015 zu den wichtigsten im Land – das unterstreicht auch sein diesjähriges Programm.

Sächische Zeitung vom Mittwoch, 27.01.2016, Von Udo Lemke

Meißen. Das war knapp. Erst durch die Auktion am vergangenen Nikolaus konnte der Kunstverein seine Finanzierungslücke schließen. „Fünfzig Künstler aus Meißen und Dresden haben Arbeiten gegeben“, sagt Daniel Bahrmann, der Vorsitzende des 55 Mitglieder zählenden Vereins. Allerdings kann dieser Erfolg nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Finanzierung des Kunstvereins nach wie vor prekär ist. Zwar wird er vom Kulturraum Meißen/Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gefördert. So 2013 mit knapp 3 900 Euro, 2014 mit rund 4 300 und 2015 mit gut 6 800 Euro. Für dieses Jahr sind knapp 8 900 Euro beantragt. Zwar tragen Spenden von Unternehmen und Freunden zur Finanzierung bei, doch dies alles reicht nicht für eine stabile Finanzierung. Es geht vor allem darum, eine Stelle im Büro und Sachkosten zu bezahlen, der Rest läuft ohnehin ehrenamtlich.

Großes Programm

Das ist die Basis, auf der der Kunstverein wieder ein großes Programm in diesem Jahr bietet. Dazu zählen allein fünf Ausstellungen. Den Auftakt am Sonntag macht „ÜberAusSchön“. Sie zeigt Fotografien aus den Porzellanmanufakturen im japanischen Arita und ausgewählte Porzellane aus der Meißner Partnerstadt. Anlass der Schau ist das 400-jährige Jubiläum der Erfindung des Porzellans in Japan. Die Schwarzweiß-Aufnahmen stammen von SZ-Fotografin Claudia Hübschmann, wobei die Menschen, die das Arita-Porzellan schaffen, im Mittelpunkt stehen. Parallel zur Schau im Bennosaal findet eine zweite im zweiten Raum des Kunstvereins im Bennohaus am Markt statt. Er firmiert künftig als „Büro für Kunststücke“ und zeigt „Kleinplastik – Porzellankunst in Sachsen “. Hier sollen regelmäßig Ausstellungen mit kleinformatigen Arbeiten sächsischer Künstler zu sehen sein. Den Auftakt machen Künstler wie Christa Donner, Andreas Ehret, Olaf Fieber, Kirsten Jäschke und Olaf Stoy. „Die Arbeiten zeugen von der Vielfalt und der Lebendigkeit der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem plastischen Material Porzellan“, heißt es dazu.

Nur Gemeinschaftsschauen

In diesem Jahr gebe es nur Gemeinschafsschauen, sagt Else Gold vom Vorstand des Kunstvereins. So widmet sich von Juni bis August eine Ausstellung dem reizvollen Thema „Kinderbildnisse“. Schon im März beteiligt sich der Kunstverein an der Ausstellung „Elbe“ auf der Albrechtsburg. „Über Donau und Rhein gibt es Gedichte, Lieder und große Epen, nicht aber über die Elbe“, dem wolle man etwas entgegensetzen, erklärt der seit 2011 in Meißen lebende Künstler Matthias Lehmann, der neu im Vorstand des Kunstvereins ist.
Rund 5 000 Besucher erwartet der Verein am zweiten Märzwochenende zum Grafikmarkt auf der Albrechtsburg. Er betrachtet es als eine Art Förderung für die fünfzig eingeladenen Künstler, die zwei Tage lang mit dem Publikum über ihre Arbeiten ins Gespräch kommen und sie verkaufen können, so Daniel Bahrmann.
Was sie sich für dieses Jahr für den Verein wünschen würden, lautet die Frage an die drei Vorstandsmitglieder. „Eine gesicherte Finanzierung“, antwortet Daniel Bahrmann. „Dass wir den Künstlern mal ein Honorar zahlen könnten“, so Else Gold. „Dass wir mal einen Katalog drucken könnten“, fügt Matthias Lehmann hinzu.

„ÜberAusSchön“ – Eröffnung am Sonntag, 11 Uhr, Bennohaus am Markt 9, 01662 Meißen

 

Quelle: Sächische Zeitung vom Mittwoch, 27.01.2016, Von Udo Lemke

 

Sächsische Zeitung: Grafikmarkt

Besucher kommen aus Berlin und Thüringen
Kunstvereinschef Daniel Bahrmann schwärmt vom Grafikmarkt am Wochenende.
Und trotzdem: Es bleibt viel zu tun.

Sächische Zeitung vom 09.03.2015, Fragen von: Dominique Bielmeier und Linda Barthel.

Was war beim Grafikmarkt in diesem Jahr die größte Überraschung für Sie?
Zunächst bin ich überrascht und erleichtert, dass der frühe Termin Anfang März für den Grafikmarkt kein Problem war. Am Wochenende strömten die Besucher in die Albrechtsburg, um unseren jährlichen Grafikmarkt zu besuchen. Mit der Eröffnung am Samstag um 10 Uhr fing der Besucherandrang an. Das hatten wir in den letzten Jahren noch nicht erlebt, dass so früh alles voll war. Das Wetter war dazu auch eine sehr schöne Überraschung, die uns extrem geholfen hat!

Kann der Meißner Grafikmarkt inzwischen mit Konkurrenten wie Dresden mithalten?
Das Meißner Angebot ist eine sehr gute Ergänzung zu den bestehenden Grafikmärkten in Dresden und Radebeul. Wir haben mit der Albrechtsburg einen ganz besonderen Raum dafür gefunden und auch ein etwas anderes Angebot, was die Auswahl der Künstler betrifft. Wir haben neben den zeitgenössischen Künstlern auch viele Illustratoren und Grafiker dabei, was sehr gut angenommen wird. Wir sind mittlerweile schon etabliert und anerkannt. Die hohen Besucherzahlen und Umsätze sprechen für sich.

Gibt es einen Künstler, auf den Sie ein wenig neidisch sind?
Ich freue mich immer sehr, wenn ich sehe, dass Künstler auf dem Grafikmarkt gut verkaufen. Denn das ist ja die Aufgabe des Marktes, ein Forum zu schaffen, auf dem die Künstler ihre Arbeiten, nicht nur zeigen, sondern auch verkaufen können. Gerade in diesem Jahr sind wieder viele Künstler dabei gewesen, deren Arbeiten ich richtig großartig finde.

Sind Sie in den vergangenen Jahren schon beim Grafikmarkt fündig geworden?
Ja, wir haben schon einiges zu Hause, das wir auf dem Grafikmarkt gekauft haben. Die Gelegenheit und die Auswahl sind einfach zu gut. Die Freude etwas zu finden, ist immer riesig. Die Wände sind schon sehr voll.

Gab es ein besonders auffälliges Stilelement bei den Kunstwerken?
Die Auswahl an künstlerischen Arbeiten ist groß. Wir achten darauf, dass wir viele Gattungen auf dem Grafikmarkt vertreten haben, ob es Radierungen, Lithographien, Zeichnungen, Aquarelle, Collagen, Künstlerbücher oder Fotografien sind. Traditionell gut vertreten sind Radierungen unterschiedlichster Art.

Gibt es schon Ideen für 2016?
Trotz des großen Erfolgs in den letzten Jahren und der stetig steigenden Besucherzahl, werden wir auch immer an der Weiterentwicklung arbeiten. Wir wollen zum Beispiel intensiver überregional werben. Schon heute kommen Besucher extra aus Berlin oder Thüringen angereist. Aber hier steckt noch viel Potenzial, das wir nutzen wollen. Ein Faltblatt mit den teilnehmenden Künstlern und einem Grundriss von den Ausstellungsräumen soll bis zum nächsten Jahr entwickelt werden. Dafür benötigen wir allerdings mehr Budget, so dass wir auch Sponsoren und Förderer suchen werden.

Quelle: Sächische Zeitung vom 09.03.2015, Fragen von: Dominique Bielmeier und Linda Barthel.

 

Wochenkurier: Christmas Shopping

Jahresausstellung im Kunstverein Meißen

Wochenkurier vom 20. 11. 2014, Text: Andre Schramm

Kunstverein Meissen - Felix Lippmann

Quelle: Wochenkurier vom 20. 11. 2014, Text: Andre Schramm

 

Wochenkurier: Ein Tag, acht Fotografen und 200 Momente

Der 14. Mai dieses Jahres war ein Tag wie jeder andere in Meißen, zumindest fast. Acht Fotografen hielten die Geschehnisse an diesem Mittwoch minutiös fest. Entstanden ist eine Momentaufnahme des Meißner Stadtlebens.

as | 13.11.2014

Es gab, wenn man so will, nur zwei „Spielregeln“ – keine Tourismusfotos und Einhaltung des Presserechts. Als sich der Zeiger der Bahnhofsuhr auf den 14. Mai stellte, blieben genau 24 Stunden Zeit für das ungewöhnliche Fotoprojekt. Am Ende sollten 200 professionelle Fotos zusammen kommen, die das Leben in der Porzellanstadt umfänglich porträtierten.

Es sind Bilder von Menschen in alltäglichen Situationen, Blicke in Betriebe, aber auch auf öffentliche Plätze – eben alles das, was Meißen ausmacht. Einsamkeit, Gesellschaft, Sport, Freizeit, der Start ins Leben und der Tod – nicht immer schön, dafür aber authentisch.  Die Idee dazu hatte Künstler Olaf Fieber. In Vorbereitung seiner USA-Reise fiel ihm vor einiger Zeit ein Bildband in die Hände. Darin hatten 200 Fotografen 24 Stunden lang den Alltag zwischen Ost- und Westküste abgelichtet. „Ich dachte, das könnte doch auch in einer Kleinstadt wie Meißen gut klappen“, sagt Fieber.

Die Gesamtschau des Stadtlebens wird dem Anspruch auch gerecht und beeindruckt durch die verschiedenen Handschriften der Fotografen und ihrer Blickwinkel. Kleines Manko: Der Bildband verzichtet auf Erklärungen, was zum großen Teil auch gut funktioniert. Dennoch gibt es Fotos, wofür sich der Betrachter schon ein paar Zeilen gewünscht hätte. Erhältlich ist das Buch u.a. bei Thalia und amazon. Titel: „meissen zeitläufe“. Preis: 19,95 Euro.

Ein Teil der beteiligten Fotografen bei der Buchpräsentation auf dem Heinrichsplatz.    

Quelle: Wochenkurier vom 20. 11. 2014, Text und Foto: Andre Schramm

 

Sächsiche Zeitung: Die Erfindung der Landschaft

Gegenden, die man zu kennen meint – der Kunstverein Meißen zeigt Arbeiten von Felix Lippmann.

Sächische Zeitung vom 8. Oktober 2014, Von Udo Lemke

Es ist, als sei gleichsam der Extrakt von Landschaft in ihnen geronnen. Anders gesagt: Sie haben etwas Idealtypisches.Was aber könnte das bei Landschaften, die verschiedener nicht sein könnten, etwa Hochgebirge und Mittelgebirgsvorland, sein?

Vielleicht könnte man es mit dem Wort Stimmung auf den Begriff bringen. Damit wäre man bei der (deutschen) Romantik. Deren Landschaften, man denke nur an Caspar David Friedrich oder Ernst Ferdinand Oehme, sind nie nur reine topographische Bestandsaufnahme oder erfundene Komposition, sie sind immer auch Seelenlandschaften, die Einblick in das Gemüt des Malers geben. Man könnte ein Gedankenexperiment anstellen und behaupten, dass die Romantiker, würden sie heute malen, so malen würden wie Felix Lippmann.

Notizen in der Natur

Der 1982 in Dresden geborene Maler findet seine Motive seltener in großartigen Alpen Panoramen als vor der Haustür in Dresden Plauen, wo er in der ehemaligen Bienert Mühle ein Atelier hat. „Die Region hinter Nickern, Kreischa und Dippoldiswalde fasziniert mich. Das ist eine spektakuläre Landschaft, die nicht gewürdigt wird. Die Leute, die dort leben, sehen sie nicht, sie sind alle auf Sightseeing aus, anstatt einfach einmal am Stadtrand loszugehen.“

Felix Lippmann geht los, einer besonderen Gnade eingedenk: „Es ist ein Glücksfall, dass ich diese friedlichen Momente der Landschaft erleben darf.“ Anders ausgedrückt: „Ich kann nicht aus den Problemen der Welt schöpfen.“ Dem entspricht, dass den Maler die Darstellung der menschlichen Figur (derzeit) nicht interessiert. Geht er in die Landschaft, dann mal er sie nie. Er macht sich gleichsam Notizen in Form von Zeichnungen, aus denen dann im Atelier das Bild entsteht. So wie das Triptychon „Willisch“, das er 2012 begonnen und in diesem Jahr beendet hat. Mehr als drei Meter lang und fast einen Meter hoch ist es nicht die konkrete Darstellung der Basalt Kuppe im Osterzgebirge, sondern die „Zusammenfassung, die Konzentration, die Essenz vieler verschiedener Stimmungen“. In diesem Sinne steht das Bild für die Erfindung der Landschaft. Im Falle des Willisch ist diese Erfindung vor allem grün. Die Palette reicht vom warmen Grasgrün über gedecktes Lindgrün bis hin zum grauen Blassgrün und dem fast blauen Jägergrün. „Grün ist eine undankbare Farbe. So spannend sie ist, so sperrig ist sie.“ Das allerdings hat die frei staatlichen Kunstankäufer nicht gehindert das Bild für den sächsischen Landtag zu erwerben. Jetzt ist es noch in Felix Lippmanns Ausstellung „Solo“ in der Galerie des Meißner Kunstvereins im Benno Haus am Markt der Stadt zu sehen.

Die Erfindung der Landschaft ist für Felix Lippmann allerdings nur eine Momentaufnahme. Von hier aus will er auf zwei Wegen weiter gehen. Ein Beispiel für den einen ist im Benno Haus zu sehen. „Am Nickerner Wäldchen 2014 VI“ ist buchstäblich mit dem Bildtitel überschrieben. „Es gibt Bilder, die ich nicht bewältigt habe, dahat mir die Schrift geholfen.“ Auch einige Lithographien, die Graffitischriften an Häuserwänden aufgreifen, gehören in diese Richtung. Wobei Felix Lippmann die Schrift „nicht als etwas Erzählerisches“sieht, sondern als grafisches Element zur Umsetzung einer Bildidee.Für den zweiten Weg bietet die Meißner Ausstellung kein Beispiel. Felix Lippmann will eine Landschaft malen, die aus vier Teilen besteht. Der Besitzer des Bildes soll die vier Teile nach seinem Gusto kombinieren können. Das wäre dann der Schritt von der Erfindung der Landschaft durch den Maler hin zur Konstruktion der Landschaft durch den Betrachter.

Der Meißner Kunstverein hat in diesem Jahr ein großes Pensum bewältigt. Nebenzwei Ausstellungen in der Evangelischen Akademie und der großen „Zündblättchen“Schau auf der Albrechtsburg folgt im November mit „Schonung“, die Jahresendausstellung mit Künstlern und Gästen im Benno Haus. „Solo“ ist die fünfte Ausstellung in seiner Galerie.Als „Arbeiten aus ganz einfachen Dingen heraus“, hat Felix Lippmann sein Schaffen charakterisiert. Sehr einnehmende Ergebnisse dieses Arbeitens zeigt die Meißner Schau.

Felix Lippmann „Solo“, bis 8. November, Kunstverein Meißen, Markt 9, 01662 Meißen, dienstags bis freitags 11bis 18 Uhr, samstags 10 bis 15 Uhr

Quelle: Sächische Zeitung vom 08. Oktober 2014, Text: Udo Lemke

Sächsiche Zeitung: Unheimliche Schönheit

Daniel Bahrmann hat die Juni-Flut in Meißen in faszinierenden Bildern gebannt.

Sächische Zeitung vom 11. September 2013, Von Udo Lemke

Geht das zusammen – Schönheit und Katastrophe? Es geht. In den Fotografien, die der Meißner Künstler Daniel Bahrmann am 4. Juni des Jahres aufgenommen hat, ist die alte Stadt zu sehen, wie man sie noch nie gesehen hat. Die blaue Stunde eines lauen Sommerabends, feucht glänzendes Straßenpflaster und alte Gebäude, die sich im Wasser spiegeln, wie in Venedig. Über allem ein warmes, seltsames Licht, das alles zum Leuchten bringt. „Die Fotos spiegeln wider, dass es eine Katastrophe geben wird, und dass man ganz langsam erstochen wird“, so Bahrmann. Er habe an diesem Juniabend beobachtet, wie das Wasser der Elbe kam – anders als 2002, nicht schnell über Nacht, sondern ganz allmählich, und er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. „Auf dem Kleinmarkt etwa hatte ich eine außergewöhnliche Lichtsituation, denn die Neonröhren der schon ausgeräumten Fielmann-Filiale leuchteten noch und dazu der Abendhimmel. Es war eine seltsam gespannte Atmosphäre.“ Wusste doch niemand genau, wie hoch das Wasser der Elbe in den Straßen noch steigen würde. Und es „war diese Ambivalenz der Schönheit der Situation, die die Katastrophe ankündigt“.

Man dürfe nicht vergessen, dass diese zweite Flut in einem Jahrzehnt für viele Geschäfte existenziell war, erklärt Bahrmann. Das spiegelte sich auch bei der Eröffnung der Ausstellung in den Räumen der „Galerie auf Zeit“ in der Burgstraße wider: „Die Leute haben sich nicht getraut zu sagen, dass sie die Fotos schön finden.“ Es ist diese Irritation, die Bahrmann mit seinen Aufnahmen bezweckt. Er will einen anderen als den rein dokumentarischen Blick auf die Elbeflut. „Ich möchte dazu anregen, darüber nachzudenken, wie wir mit dem Wasser, mit dem Fluss umgehen.“ Eine offene Debatte über Notwendigkeit und Möglichkeiten des Umgangs mit Hochwasser sei vonnöten. Mit Bildern wie von der überfluteten Aral-Tankstelle unterhalb des Burgberges bezweckt er noch etwas anders. „Ich habe es sehr bewundert, wie viele Menschen gemeinsam versucht haben, die Tankstelle mit dem Bau eines Dammes zu retten, aber am Ende hat sich gezeigt, dass die Natur stärker ist als unsere Technik.“ Viele Menschen hätten jetzt begriffen, dass die Elbe zu Meißen gehöre, nicht nur als Postkartenmotiv. „Wenn Touristen bei schönem Wetter vor den Hochwassermarken in Kopfhöhe stehen, können sie nicht wirklich erfassen, was sie sehen.“

Mit der „Galerie auf Zeit“ will der Kunstverein Meißen neue Wege gehen. Neben den oft über Jahre hinaus geplanten Ausstellungen im Bennohaus am Markt, soll mit Räumen, wie dem in der Burgstraße, spontane Ausstellungen wie die jetzige ermöglicht werden. „Meißen am 4. Juni“, Fotografien von Daniel Bahrmann, bis 29. September, Mi-Sa 15-19 Uhr. Eintritt frei, „Galerie auf Zeit“, Meißen, Burgstraße 29

Quelle: Sächische Zeitung vom 11. September 2013, Text: Udo Lemke

Kindlich, fröhlich, beängstigend.

DNN am 05.02.2013

Dresdner Künstlerin Viktoria Graf stellt in Meißen aus

Meißen. Was verbirgt sich hinter dem Alltäglichen, was ist die andere Seite? Die Dresdner Künstlerin Viktoria Graf hat sich bei ihren neuen Arbeiten intensiv mit Fragen wie diesen befasst. „Beyond“ heißt deshalb ihre aktuelle, gemeinsame Ausstellung mit der „galerie module“ und dem Kunstverein Meißen. In den Vereinsräumen am Meißner Markt 9 zeigt die 27-Jährige 26 Werke aus diesem und dem vorigen Jahr. Die „galerie module“ vermittelt und vertritt Künstler aus Dresden und Umgebung.

In Meißen zeigt Viktoria Graf unter anderem farbgewaltige Malereien, auch Kunst hinter Glas. Sie hält Momente fest mit spielenden und streitenden Kindern. Es seien Fragmente, wage Erinnerungen, Empfindungen. „Auf den ersten Blick wirkt es nett und fröhlich, auf den zweiten ist es anders“, sagt Viktoria Graf. Inspiriert hätten sie alltägliche Situationen und Erlebnisse in der Zeit, als sie als Kindermädchen arbeitete. „Ich beschäftige mich seit einigen Jahren besonders mit dem Menschen“, erklärt die Künstlerin.

Die Ausstellung „Beyond“ zeige das Nicht-Geschehene. Viktoria Graf studierte an der Hochschule für Bildende Künste Dresden Malerei und Grafik. Sie war 2012 Meisterschülerin beim Dresdner Professor Hans Peter Adamski. Studienaufenthalte führten sie nach Kroatien, Italien, Spanien und in die Schweiz. Ihre neuen Werke sind bis zum 28. März in Meißen zu sehen. Die Ausstellung ist dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr und sonnabends von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

 

ZUM 20. JAHRESTAG DER WIEDERERÖFFNUNG DES KUNSTVEREINS MEISSEN e.V.

Rainer Beck am 04.11.2012

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

1967 gab der Jesuit Otto Mauer. Leiter der Wiener Galerie nächst St. Stephan, ein Weggefährte der Wiener Aktionisten, denen später die Dresdner Autoperformationsartisten nachfolgen sollten, Enfant terrible des damaligen österreichischen Katholizismus, folgende bemerkenswerten Sätze von sich:
„Die Kunst hat ihr Ethos nicht primär von außen her, durch die ethische Intention oder gar durch ihren Gebrauchswert. Sie besitzt ihr Ethos nicht auf Grund einer Instrumentalität für moralische positive Zwecke, als Volksbelehrung, als gesellschaftlich versammelndes Symbol, als Forderung der Staatsideologie, als Dekor des schwierigen Lebens und Erheiterung trister Stunden, als moralisches Institut gleich Schillers Theater oder dergleichen. Kunst besitzt per se und immanent ein Ethos: Sie ist der Akt der Erhebung von ‚Natur’ in Geist, die Rühmung des Seienden, der Akt der Explikation des Seienden als Deutung, die subtilste Verbindung von Geist und Materialität, der Akt, in dem das Seiende zum Sprechen, zum Ausstrahlen, zur Durchlichtung, zu seiner Offenbarung gebracht wird, ist die höchste Form der Fortsetzung der Schöpfung in kreativen Akten und Resultaten, die zeichenhaft-reale Permanenz von Kultur, ohne deren Objekte (zusammen mit der Schrift) die Menschheit in Barbarei zurücksinken würde.“
Ohne jeden Abstrich könnten diese Sätze als Begründung für den Wert der zeitgenössischen Kunst in unserer offenen Gesellschaft herangezogen werden und auch für die Daseinsberechtigung unserer Kunstvereine, die diese vermitteln und pflegen. Sätze, wie die von Otto Mauer, beschreiben das künstlerische Autonomiebewußtsein der Moderne, die mit der Aufklärung einsetzt und bis heute anhält. Sie wären bis ins späte 18. Jahrhundert undenkbar gewesen, in einem Staatswesen, das die Kunst vor allem in ihrer Gebrauchsbedeutung als Repräsentationsmittel von Staat, Kirche und führenden Gesellschaftsschichten begründet sah.

Jetzt also die Betonung der Eigenbedeutung der Kunst. Und nicht von ungefähr fällt auch in diese Zeit die Gründung des ersten deutschen Kunstvereins im Jahre 1792, der Nürnberger „Kunst-Societät“, als deren Nachfolgeinstitution heute die Albrecht Dürer Gesellschaft figuriert. Bis 1817 bleibt diese der einzige Kunstverein Deutschlands, dann folgt 1817 „Der Kunstverein“ in Hamburg. Hier und auch in der Folgezeit bei vielen weiteren Neugründungen in Deutschland waren es interessierte Bürger und Künstler, die weitere Kunstvereine ins Leben riefen. Sie wirkten mit ihrer fast ausschließlich ehrenamtlichen Arbeit tief in sämtliche Gesellschaftsschichten. Heute sind die Kunstvereine, wie es auf der Webseite des ADKV, der „Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine“, heißt, „die zentralen Vermittlungsinstanzen für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Sie sichern der Kunst ein Forum, in dem diese ausgestellt und breiteren Kreisen der Bevölkerung sowie einem Fachpublikum nahegebracht wird. Etwa eine Million Besucherinnen und Besucher nehmen jährlich die Angebote der Kunstvereine wahr.

 

Anmutige Körper – hohe Himmel

Eigentlich wollte Helmut Symmangk nicht mehr ausstellen. Er ließ sich überreden – zum Glück.

Sächsische Zeitung am Montag, 24. September 2012, von Udo Lemke

So viel Licht war selten in den Räumen des Meißner Kunstvereins. Hineingebracht hat es Helmut Symmangk. Die Akte und Landschaften des Malers sind eine Feier des Lichts, eine Feier des Lebens, eine Feier der Kunst. Man sollte meinen, die breiten, schwungvollen Pinselstriche habe ein jugendlicher Künstler auf die Leinwand geworfen – Helmut Symmangk ist 81.
Er spricht über seine Arbeit ohne jegliche Attitüde, wie jemand, der nach der Lösung für ein handwerkliches Problem sucht, aber nicht für irgendeine, sondern für die beste. Und nach mehr als einem halben Jahrhundert Arbeit als Künstler sagt er über die Situation, wenn er ein Bild beginnt: „Ich habe zwar viel Übung, aber man fängt immer wieder ganz von vorne an, da nützt die Routine überhaupt nichts.“

Im Sommer fährt Helmut Symmangk an den Waldteich nach Moritzburg um zu zeichnen. Die Nudisten dort kennen ihn schon, „die beschützen mich“, sagt er. Und: „Wenn man vor der Natur arbeitet, dann muss man zur Abstraktion, zur Form kommen.“ Und so könnte man seine Art zu malen als gegenständliche Abstraktion bezeichnen, was nur auf den ersten Blick ein Widerspruch in sich ist. Wenn Helmut Symmangk einen Akt malt, dann stellt er sehr wohl den menschlichen Körper klar wiedererkennbar dar. Aber er malt etwa „keine Flächen, nur weil der Gegenstand so aussieht“. Er malt so, dass das Bild für ihn stimmt. Auf den Sperrholzplatten – sie sind einfacher als eine Leinwand zu behandeln – zeigen sich viele offene Stellen, so dass die Grundierung durchscheint. „Ich will mir ja den Klang der Farben erhalten, sie müssen frei stehen, um Luft zu haben.“ Aus dem Zusammenklang der Farben ergibt sich für ihn eine Form, „die muss nicht zwangsläufig etwas mit dem Gegenstand zu tun haben“, erklärt er vor dem Akt „Lesende“ anhand eines farbigen Liniengewitters, das den Körper umflackert, ihm Halt und Hintergrund gibt und dem Bild zu Tiefe verhilft.

Natürlich erinnern die Akte in der Landschaft, die Badenden, Spielenden, Ruhenden an die Moritzburger Bilder der Brückkünstler. Und sie sind ja teils auch am gleichen Ort entstanden. Aber Helmut Symmangk ist kein Epigone. Er arbeitet nicht mit den harten Farbgegensätzen der damaligen Künstler. „Brücke ist mir zu spontan“, sagt er und hebt damit auf deren Methode der Minutenmalerei ab, bei der es darum ging, das Darzustellende möglichst schnell festzuhalten.

Scheinbar im Gegensatz dazu stehen diese Worte Helmut Symmangks: „Ich bin über achtzig, es muss schnell gehen, die Kraft reicht nur noch für ein, zwei Stunden.“ Damit beschreibt er einen Ausschnitt der Arbeit am Bild, der sich über Monate und Jahre fortsetzen kann, bis das Bild für ihn stimmt – Durchdringung, statt Spontanität.

Helmut Symmangk zeigt im Kunstverein auch Landschaften, die durch ihre hohen Himmel auffallen – oft nehmen sie vier Fünftel des Bildes ein. Anders gelänge es ihm nicht, die Landschaft zu fassen sagt der Maler, und dann erklärt er sein Auffassung von Malerei, von seinen Bildern generell: „Für meine Begriffe sind es Skizzen.“

„Helmut Symmangk – Malerei“, bis 27. Oktober, Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 10-15 Uhr, Kunstverein Meißen, Markt 9, 01662 Meißen

Quelle: Sächsische Zeitung am Montag, 24. September 2012, Udo Lemke

 

 

 

Alchemie von Kunst und Raum

Skulpturen, Installationen und Bilder in der Albrechtsburg und im Bennohaus Meißen

Dresdner Neueste Nachrichten vom 01. August 2012, von Heinz Weißflog

Vor 300 Jahren nahm die erste deutsche Porzellanmanufaktur in der Albrechtsburg Meißen ihre Arbeit auf, nachdem der Alchemist Johann Friedrich Böttger im Auftrag des· Kurfürsten· August des Starken das erste Hartporzellan in Europa erfunden hatte, das in seiner Qualität dem japanischen Porzellan in keiner Weise nachstand. Nun ist nach einer Reihe von wegweisenden Ausstellungen in der Albrechtsburg der Dialog von moderner Kunst und Raum gefragt, der durch eine besondere Alchemie gekennzeichnet ist.

Das historische Gemäuer auf dem Burgberg mit seinen spätgotischen Zellengewölben lädt zu einer intelligent gemachten Ausstellung mit zeitgenössischer Kunst aus Dresden und dem Umland ein, die vom Künstlerbund Dresden e.V., der Albrechtsburg und dem Meißner Kunstverein ausgerichtet wird.

Die Synthese und die damit verbundene Arbeitsteilung erweist sich für alle drei Institutionen schließlich als Synergieeffekt, zumal der Kunstverein Meißen mit seiner aktiven Beteiligung an dieser Ausstellung die Serie von gemeinsamen Präsentationen aus Anlass seines 20. Gründungsjubiläums fortsetzt. (DNN berichteten).

Eine elfköpfige Jury ermittelte in dreitägiger Arbeit für die Schau 74 Kunstwerke von 48 Künstlern aus Dresden und Meißen, Mitglieder im Künstlerbund Dresden und Gäste. Nach mehreren Ortsbegehungen der Ausstellungsräume im Erdgeschoss der Albrechtsburg sowie im Bennohaus wurden gezielt Künstler eingeladen. Darüber hinaus. erfolgte eine Ausschreibung an weitere Künstler der Region, sich mit ihren Arbeiten an der Exposition zu beteiligen. Die Arbeitsgruppe "Ausstellungen" des Künstlerbundes Dresden, die zwei Jahre für die konzeptionelle Vorbereitung der Ausstellung benötigte, bewältigte Logistik und Aufstellung der Kunstwerke.

Unter dem Motto "Kunst und Raum" treffen hier Werke von Malern, Grafikern, Bildhauern, Plastikern, Objekt- und Installationskünstlern aufeinander, die ein stimmiges Gesamtbild erzeugen und in jedem Raum miteinander kommunizieren. Die von Skulptur und Objekt beherrschten Räume ergänzen Bilder von Malern und Grafikern. Dabei wurde die historische Architektur sensibel in die Ausstellung einbezogen und jeder Raum auf die Eignung der jeweiligen Kunstwerke hin untersucht. Wie in einem Labyrinth folgt der Besucher leicht abwärts gehend den vorgegebenen Pfaden in die 7 Räume im Erdgeschoss und entdeckt eine Welt aus Formen und Farben. Inhalt der Arbeiten ist bei fast allen ausstellenden Künstlern das gemeinsame Erlebnis unserer Zeit, das in Allegorien und meist eigenwilligen Verschlüsselungen (ironisch gebrochen) dargeboten wird.

Karin Heynes "Blickrichtung", eine tiefschwarze Freibrandkeramik aus Schamotteton gibt den Auftakt. Die Assemblage "Radio-ökologisches Naturschutzgebiet" (2011) von Marion Kahnemann spiegelt die bestürzenden Eindrücke ihrer Ost-Europareisen auf den Spuren des Judentums durch einst alte, jüdisch-bevölkerte Städte und Dörfer in der Nähe des ukrainischen Tschernobyl.

In den Raum dreht sich Petra Graupners "Gepard" aus Draht und Gips, während Maja Nagels drei Bleistiftzeichnungen eher Intim-Zwischenmenschliches ansprechen. Ursula Güttsches zwei aus dem Block gearbeitete Sandsteinskulpturen widmen sich dem weiblichen "Akt". Ein großer weißer Styropor-Stern thematisiert den Epidemie-Erreger "H5N1 " (2005).

Ines Westerhöfer lässt bei ihrem "Tanuitraum" mit Pinguin-Look einen Teil des Sandsteins unpoliert stehen. Matthias Schrollers schmales Leinwandbild "Turm I, 2012" kommuniziert mit den beiden Bronzen "Kontrapost" und "Müder Krieger" von Lothar Beck, die bolzenförmig aneinander gebunden sind und auffällig stark in den Raum greifen. Gabriete Reinemers fragile Holzskulpturen "Denkmal für ein Tier" und "Zeichen" fallen durch ihre eigenwillige, exotische,

totemartige Bemalung auf. Die Installation "Weine, Wald" (2012) mit Totholz und Salz von Angela Hampel geißelt den sorglosen Umgang des Menschen mit der Natur. Katharina Lewonig dagegen stellt in einer Assemblage mit sechs Bildtafeln Datenspeicher stark vergrößert dar. "Das "Beziehungsstück" (2011) von Frank Schauseil verschlüsselt die Verknotungen von allzu Menschlichem in einer Alu"Plastik. Aus Teebeuteln und diversen Lacken schuf Dieter Weise eine rätselhafte, raumgreifende Skulptur. In einem Zwischen-Raum schaffen Hans Jürgen Reichelts "Lommatzscher Frühling" (2011) zusammen mit Olaf Stoys Porzellanbüste "Märtyrer" (2009) Ruhe und Besinnung. Beide Arbeiten demonstrieren den hohen Grad an Ausgereiftheit und Meisterschaft im jeweiligen Medium.

Der zentrale Raum der Ausstellung präsentiert Objekte unä Installationen, darunter den bemalten, aus vielen kleinen Schachteln bestehenden "Kubus" (1995) von Wolfgang Smy. Robert Frenzel bezieht sich auf da Vinci. An seinem skurrilen Objekt "Dein Standpunkt" kann man mit einer Kurbel durch drehen eine weiße Fahne bewegen, während die Wände Kästen mit Drahtgeflechten von Janina Kracht zieren. Else Golds beide Installationen mit Porzellan, Eisen und .Stein bemühen die biblische Geschichte auf grotesk-militante Weise ("Drei aus den himmlischen Heerscharen", 2009).

In Frank Herrmanns mixed media mit Motor dreht sich eine Scheibe auf einer bombenähnlichen Attrappe ("Und die Welt dreht sich", 2011). Siegfried. Haas' Objekt "Rapunzel" (2010) wurde aus einem bemalten, mit Fotos beklebten und umgebauten Leiterwagen geschaffen, der wie eine kleine Theaterbühne wirkt, einem grotesken Turm gleich, in dem die verwunschene Prinzessin wohnt. Höhepunkt der Schau in der Burg sind die beiden Mischtechniken von Steffen Fischer, die menschliche Eitelkeit aufs Korn nehmen ("H. kämmt sich sein blondes Haar", 2004). Daniel Bahrmanns Digitaldrucke im Bennohaus focussieren den Blick auf den Ausschnitt eines Gesichts. Dabei nutzt er bei der starken Vergrößerung auftretenden Raster, die das Bild verfremden. Mechthild Mansels zum Teil geätzte Kaltnadelradierungen assoziieren menschliche Begegnungen, während die Installation von Robert Frenzel mit einer täuschend echten Goldfischattrappe heftige Irritationen auslöst.

Heinz Weißflog

Quelle: Dresdner Neueste Nachrichten, 01. August 2012, Heinz Weißflog

 

 

Künstler der Region erobern Meißen

Eine Doppelausstellung in Albrechtsburg und Bennohaus zeigt Positionen zeitgenössischer Kunst

Meißner Tageblatt vom 12. Juli 2012, von Toralf Grau

Ganz klar, wo in Meißen die Albrechtsburg steht: "Oben". Genauso lautet jetzt der Titel der neuen Sonderausstellung in der Burg. "Oben. Kunst und Raum" ist die zweite Schau, die im neu hergerichteten Sonderausstellungs-Flügel des Hauses zu sehen ist. Sie versammelt hoch über Meißen die Werke vieler Künstler aus Dresden und der Region.
Jörn Diederichs vom Künstlerbund Dresden hat die genauen Zahlen parat. In der Albrechtsburg und zum Teil in der Galerie des Meißner Kunstvereins im Bennohaus am Markt werden 74 Arbeiten von 48 Künstlern gezeigt.
Plastiken, Installationen, Malerei und Videokunst: Das Spektrum der Genres und Stile ist breit. Seit Jahren sei "Oben" die erste große Ausstellung, die der Dresdner Künstlerbund außerhalb der Landeshauptstadt ausrichte, sagt Diederichs.
"Wir versuchen, einmal im Jahr eine möglichst große Schau zu organisieren. Da ist die Vielfalt der künstlerischen Positionen unserer Mitglieder zu sehen." In diesem Jahr hat man sich für Meißen als Ort der Ausstellung entschieden. Uwe Michel, der Leiter der Albrechtsburg, erklärt, warum: Schon vor fünf Jahren habe der Künstlerbund beim Staatsbetrieb "Schlösserland" nach Räumen für eine große Ausstellung gesucht. "Damals war die Festung Dresden im Gespräch." Leitete Michel zu jener Zeit noch die Dresdner Festung, ist er heute Chef der Albrechtsburg. "Den Gedanken an die Ausstellung haben wir trotz mancher Probleme nicht aufgegeben." Und jetzt gibt es in der Burg hoch über Meißen - und beim Kunstverein am Markt - auch die passenden Räume.
Überhaupt: die Räume ... Beim Vorab-Rundgang durch die Schau ist Jörn Diederichs begeistert, wie gut sich die zeitgenössische Kunst uriter die Renaissance-Gewölbe der Burg fügt. Fast klassisch anmutende Sandstein-Skulpturen kommen hier ebenso zur Geltung wie der raffinierte Kubus von Wolfgang Smy, die Metall-Porzellan-Collagen der Meißnerin Else Gold oder die Bilder von Victoria Graf und Rene Weigel. Die Besonderheiten der beiden Meißner Ausstellungsorte hätten schon bei der Vorbereitung eine große Rolle gespielt, bestätigt Jörn Diederichs.
Gemeinsam mit den Mitveranstaltern vom Meißner Kunstverein habe man die an der Ausstellung interessierten Künstler zur Besichtigung von Albrechtsburg und Bennahaus eingeladen. "Sie sollten sich ein Bild machen, wie ihre Werke hier gezeigt werden können." Was die Künstler sahen, scheint ihnen gefallen zu haben: 80 von ihnen bewarben sich mit über 140 Arbeiten um eine Beteiligung an der Doppelschau. Eine Jury musste schließlich die Auswahl treffen. Der Dresdner Diederichs lobt seine Mitstreiter aus Meißen: "Wir haben selten so hervorragende Bedingungen und professionelle Betreuung gefunden wie hier."
Die braucht es wohl auch, um eine so große Ausstellung mit so unterschiedlichen künstlerischen Handschriften zu gestalten. Es sind Künstler unterschiedlicher Generationen, die bis zum 16. September in Meißen ihre Arbeiten zeigen werden. Bekannte "Altmeister" wie Angela Hampel und Peter Makolies sind ebenso darunter wie junge Kollegen, die das Publikum gerade für sich entdeckt.

Über die Generationen

"Victoria Graf ist zum Beispiel solch eine Künstlerin", sagt Daniel Bahrmann, der selbst ein Bild zur Ausstellung beigesteuert hat und als Chef des Meißner Kunstvereins auf die Aufmerksamkeit gespannt ist, die die Schau auf seine Stadt lenkt. Allerdings: Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass Künstler und Kunstfreunde von weither nach Meißen kommen. Gerade der Kunstverein hat sich als Aussteller zeitgenössischer Kunst einen guten Namen gemacht. Wenn es darum geht, große Ausstellungen und Kunst-Ereignisse in die Stadt zu holen, verbündet sich der Verein gern mit Partnern. Die Zusammenarbeit mit der Albrechtsburg ist gut erprobt und wird jetzt erweitert: Erst vor wenigen Wochen nutzte man die Burg erstmals ftir den jährlichen Meißner "Grafikmarkt". Da kommt zusammen, was gut zueinander passt. Die Kunstvereins-Galerie im Bennohaus ist ein ebenso historisches Gemäuerwie die Albrechtsburg. Und in beiden rriacht auch die Kunst dieser Tage eine gute Figur.

Quelle: Meißner Tageblatt vom 12. Juli 2012, von Toralf Grau

 

 

Raubtier unterm Kreuzgewölbe

Der Dresdner Künstlerbund und der Kunstverein Meißen zeigen auf der Albrechtsburg und im Bennohaus eine grandiose Schau.

Sächsische Zeitung am Montag, 18. Juni 2012, von Udo Lemke

Es scheint, als entwickele sich die Meißner Albrechtsburg zu einem Eldorado für zeitgenössisches Kunstschaffen. Eben erst ist die hervorragende Fotografieausstellung „4 Positionen“zu Ende gegangen, die den deutschlandweiten Vergleich nicht zu scheuen brauchte, da öffnet eine Schau aktueller künstlerischer Positionen aus Dresden und Meißen, mit Gästen aus Freital, Kreischa, Rabenau und anderen Orten, die staunen lässt, die überrascht und die einfach Spaß macht.

Die Gemeinschaftsausstellung des Künstlerbundes Dresden und des Kunstvereins Meißen präsentiert 74 Arbeiten von 48 Künstlern. Ein Kaleidoskop der Handschriften und Techniken. Aber dieses Kaleidoskop hat eine Konstante – die dreidimensionale Kunst. Da ist Plastik, das sind etwa aus Bronze, Gips oder Styropor aufgebaute Werke. Und das sind Skulpturen, Werke, die etwa aus Holz und Stein herausgearbeitet wurden. Der Titel der Schau verweist auf die beiden Meißner Ausstellungsorte, auf die Albrechtsburg mit ihren edlen, schlichten Kreuzgewölben und auf das Bennohaus am Meißener Markt mit seiner prächtigen Holzbalkendecke. In beiden Fällen werden historische Räume mit zeitgenössischer Kunst konfrontiert.

Eine der faszinierendsten Arbeiten in der Ausstellung auf der Albrechtsburg ist Kristof Grunerts „Großer Gepard“ (siehe Foto). Die Plastik des überschlanken Raubtiers, das mit 112 Stundenkilometern das schnellste Landtier der Welt ist, verwirrt. Wo man auf den ersten Blick Material wie Bronze vermutet hätte, zeigen sich auf den zweiten Stoffwülste.

Ist der „Gepard“ ganz gegenständlich ausgeführt, so ist Lothar Becks „Kontrapost“ ganz abstrakt. Der Bildhauer hat das seit der Antike übliche, als Kontrapost bezeichnete Nebeneinander von Stand- und Spielbein einer menschlichen Figur mittels abgewinkelter Bronzerohre dargestellt.

Die Schönheit eines tödlichen Erregers hat Matthias Lehmann in seiner aus Holz und Styropor gefertigten Plastik „H5N1“ (siehe Foto) aufgegriffen. Die Darstellung des Vogelgrippevirus lässt an den deutschen Zoologen Ernst Haeckel (1834-1919) denken, der Strahlentierchen zum Gegenstand künstlerischer Darstellung erhoben hatte.

Immer wieder überraschend sind die Arbeiten des Dresdner Bildhauers Frank Schauseil. Auf der Albrechtsburg überrascht er mit einer Gips-Styropor-Plastik. „Insekt“ ist, was es heißt, es ist aber auch eine Art Maschinenwesen.

Als Gast ist der Bildhauer Peter Makolies in der Ausstellung vertreten. Von ihm sind drei wunderbare, aus Granit-Findlingen herausgeschlagene Gesichter zu sehen. In ihrer strengen, reduzierten Geometrie erinnern sie an Stammeskunst. Makolies hat im Alter noch einmal einen großen Sprung nach vorn in seiner Arbeit getan.

Fazit: Eine absolut bereichernde Ausstellung, die möglichst viel Schüler sehen sollten.

„Oben – Kunst und Raum“, von Sonntag, dem 16. Juni bis zum 16. September, täglich 10 bis 18 Uhr auf der Albrechtsburg und von Di bis Fr 11-18 und Samstag 10-15 Uhr im Bennohaus am Meißner Marktplatz

Quelle: Sächsische Zeitung, 18. Juni 2012, Von Udo Lemke

 

 

Schräge Kunstvögel auf der Albrechtsburg

Zum 11. Meißner Grafikmarkt kamen am neuen Ort 5 000 Besucher wie im Vorjahr.

Sächsische Zeitung am Montag, 14. Mai 2012, von Lilli Vostry

Anfangs ein beschwerlicher, aber letztlich ein beflügelnder Aufstieg für alle Beteiligten wurde der 11. Meißner Grafikmarkt, der am vergangenen Wochenende erstmals in der Albrechtsburg stattfand. Es kamen rund 5000 Besucher. „Genauso viele wie letztes Jahr im Rathaussaal, doch diesmal waren es mehr wirklich Kunstinteressierte als Laufpublikum“, freute sich gestern Nachmittag Daniel Bahrmann, der Chef des veranstaltenden Meißner Kunstvereins.

Er sei erleichtert über die gute Resonanz nach dem kurzfristigen Umzug des diesjährigen Grafikmarktes aus dem Ratssaal des Rathauses in die Burg. Dort besuchte die Künstler auch Bürgermeister Hartmut Gruner nach der Panne seitens der Stadtverwaltung, die den für den Grafikmarkt reservierten Ratssaal doppelt vergeben hatte. Das sprach sich schnell herum in der Stadt und bescherte dem Kunstverein doch noch die erhoffte Aufmerksamkeit.

So tummelten sich die gezeichneten schrägen Vögel des Meißner Grafikers Kay Leonhardt, der auch das Grafikmarkt-Plakat gestaltete, mit ihren gewitzt-frechen Sprüchen in illustrer edler Gesellschaft mit den plastischen Bildnissen der einstigen Burgherren. Die von ihren Sockeln auf das neu dazugekommene, reichliche Kunstangebot schauten. Da blühte die Fantasie in vielerlei Form und Gestalt in den Arbeiten von rund 45 Künstlern aus Meißen und der Region zwischen Dresden, Leipzig und Halle, die ihre Arbeiten erstmals in der Großen Hofstube und im Großen Saal der Burg zeigten und zum Kauf anboten.

Erhellt von extra Scheinwerfern war auf Stellwänden, Tischen und in Mappen eine vielfältige Auswahl an Druckgrafik, von handillustrierten Grafiken, Zeichnungen, Aquarellen, Siebdrucken bis zu Fotografien und Künstlerbüchern, zu sehen. Neugierige und Sammler konnten mit den Künstlern ins Gespräch kommen und einige auch in Aktion erleben. Da trafen alte und neue Schönheitsideale in Bildern zwischen Wunsch und Realität aufeinander, in den prachtvollen Wandmalereien der Burgräume ebenso wie auf den von Bahrmann ausgestellten Fotografien aus der heutigen Mode- und Medienwelt.

Höhere Standgebühr?

Der Kunstverein bekomme seitens der Stadt Meißen eine Entschädigung für das kurzfristige und aufwendige Umorganisieren für den Grafikmarkt auf dem Burgberg. Dort fallen aber auch mehr Kosten an durch erhöhten Aufwand für Werbung, Technik und Stellwände sowie Wach- und Aufsichtspersonal, sodass der Kunstverein im nächsten Jahr die Standgebühr beim Grafikmarkt erhöhen will. „Lieber wäre mir jedoch, wenn wir stattdessen einen Sponsor gewinnen“, so Bahrmann. Die Besucher sollen weiterhin freien Eintritt erhalten. „Eine kontinuierliche Förderung für den Grafikmarkt durch die Stadt würde uns sehr helfen“, so Bahrmann. Die Kooperation zwischen Kunstverein und der Albrechtsburg sei ein gegenseitiger Gewinn.

Demnächst werde im Vorstand des Kunstvereins abgewogen und entschieden, ob der Grafikmarkt nächstes Jahr wieder auf der Burg stattfindet oder in den Rathaussaal zurückkehrt. „Diesmal werden wir es vertraglich festlegen“, so Bahrmann.

„Es sind schöne Räume in der Burg, wo Altes und Neues und die knarrenden Dielen gut zur Atmosphäre passen“, sagte die Neumeißnerin Angelika Kern, die mit ihrem Mann aus den alten Bundesländern hergezogen ist und all ihren Bekannten vom Meißner Grafikmarkt erzählen will. „Nur für Laufkundschaft ist der Kunstmarkt etwas abgelegen“, meinte sie und ließ sich eine Grafik von Kay Leonhardt signieren. Sein Assistent Tom, ein 20-jähriger Architekturstudent, half beim Vorbereiten der handgedruckten Plakate. Ein paar Meter weiter stand der in Meißen lebende Maler und Grafiker Wolfgang E. Herbst-Silesius an seiner Boston-Buchdruckpresse, zeigte und erklärte den Besuchern ausgiebig den Druckvorgang und das Entstehen seiner Holzschnitte, in denen sich Reales und Traumwelten verbinden.

„Das exquisite Ambiente und das Niveau der gezeigten Arbeiten sind erfreulich“, so Herbst-Silesius. Nur wünsche er sich für den Grafikmarkt mehr Akzeptanz und Interesse von den Meißner Bürgern. „Durch den Rathaussaal konnten die Leute geradewegs durchlaufen, doch den Berg zur Burg muss man hinauf kraxeln.

Quelle: Sächsische Zeitung, 14. Mai 2012, Von Lilli Vostry

 

 

Zum Grafikmarkt kommen 45 Künstler in die Albrechtsburg

Sächsische Zeitung vom 9.5.2012

Zum Grafikmarkt kommen 45 Künstler in die Albrechtsburg Der Kunstverein macht aus der Not eine Tugend: Was als Ausweichquartier gedacht war, könnte sich als große Chance erweisen.

Daniel Bahrmann hat heute einen Termin im historischen Rathaus. Wegen des diesjährigen Grafikmarktes. Am Vormittag wird der Chef des Meißner Kunstvereins dort ein vier mal einen Meter großes Banner anbringen, das auf den Meißner Grafikmarkt an diesem Wochenende hinweist. Denn die elfte Ausgabe dieser Veranstaltung findet erstmals auf der Albrechtsburg statt.
45 Künstler haben sich in Meißen angesagt. Sie wollen ihre neuesten Arbeiten vorstellen und dem Publikum zum Kauf anbieten. An beiden Tagen des Wochenendes präsentieren sie sich von 10 bis 18 Uhr in der Großen Hofstube und im Großen Saal im ersten Stock der Burg. Diesen Bereich können Gäste auf der Albrechtsburg erreichen, ohne Eintritt bezahlen zu müssen.
Die Albrechtsburg verleiht dem Grafikmarkt Gewicht, ist Daniel Bahrmann überzeugt: Die historischen Wandmalereien zur sächsischen Geschichte in der Burg und die moderne Kunst, die an diesem Wochenende hier präsentiert wird – das ist eine Vielfalt, die ihresgleichen sucht“, erklärt der Chef des Meißner Kunstvereins.
In die Albrechtsburg hatte der Verein ausweichen müssen. Wie berichtet, hatte die Stadtverwaltung den ursprünglich für den Grafikmarkt reservierten historischen Ratssaal für dieses Mai-Wochenende doppelt vergeben, so dass der Verein nach einem neuen Grafikmarkt-Quartier suchen musste.
Um möglichst viele Besucher auf die Burg zu locken, rührt der Kunstverein in diesem Jahr verstärkt die Werbetrommel. Traditionell findet der Grafikmarkt an dem Wochenende statt, an dem der Gewerbeverein in Meißen den Töpfermarkt veranstaltet und der Sonntag ein verkaufsoffener ist. Wenn das Wetter mitspielt, dürfte die Innenstadt am Sonnabend und Sonntag gut besucht sein.
„Natürlich wollen wir möglichst viele derjenigen, die am Wochenende in Meißen unterwegs sind, für einen Abstecher auf der Albrechtsburg begeistern“, sagt Daniel Bahrmann. Deshalb sind er und weitere Helfer vom Kunstverein in diesen Tagen auch damit beschäftigt, Weg weisende Banner aufzuhängen und Fußbodenaufkleber anzubringen. Auch die heutige Banner-Aktion am Rathaus gehört zu den Werbemaßnahmen für den 11. Meißner Grafikmarkt. (SZ/da)

Quelle: Sächsische Zeitung vom 9.5.2012

 

 

11. Meißner Grafikmarkt

Amtsblatt Meißen vom 27.04.2012

Erstmals in der Albrechtsburg

Der Kunstverein Meißen veranstaltet am 12. und 13. Mai 2012 den 11. Meißner Grafikmarkt mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Region zwischen Dresden, Leipzig und Halle. Die Grafiker präsentieren ihre Arbeiten am Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr erstmals in der Großen Hofstube und im Großen Saal der Albrechtsburg Meissen.
Neuer Ort für den Grafikmarkt Im 20jährigen Jubiläumsjahr des Kunstvereins findet der Grafikmarkt erstmals in der Albrechtsburg statt. Der Erfolg des Grafikmarktes in den letzten Jahren bietet eine großartige Chance für eine positive Weiterentwicklung.
Die Albrechtsburg ist als Wiege Sachsens ein wunderbarer und repräsentativer Ort, um weitere Besucher anzusprechen und für den Markt zu begeistern. Der erste Meißner Grafikmarkt fand bereits 1996 statt. Die Filiale der Dresdner Bank am Heinrichsplatz diente in den ersten Jahren bis 2001 als Veranstaltungsort.
Nach einer fünfjährigen Pause wurde der 6. Grafikmarkt 2007 im Bennohaus wiederbelebt. Mit der Fertigstellung der Sanierung des Rathauses fand seit 2010 der Grafikmarkt im historischen Ratssaal statt. Mit dem Umzug in die Albrechtsburg 2012 eröffnen sich für den Grafikmarkt neue Perspektiven.
Grafikmarkt als Messe - Als Grafikmesse konzipiert, erfolgt die Präsentation und der Verkauf von künstlerischen Druckgrafiken, Zeichnungen, Aquarellen, Fotografien und Künstlerbüchern mit fachkundiger Beratung direkt durch die anwesenden Künstler. Im letzten Jahr besuchten ca. 5000 Gäste den 10. Meißner Grafikmarkt.
Künstler vor Ort - Das Plakat zum 11. Meißner Grafikmarkt hat der Meißner Künstler Kay Leonhardt gestaltet. Der Holzschnitt wird während des Grafikmarkts exklusiv von Hand gedruckt und in limitierter Auflage verkauft. Kay Leonhardt wird auch seine für ihn typischen Grafiken und Zeichnungen mit „Schrägen Vögeln und klugen Sprüchen“ anbieten. Der in Meißen lebende Maler und Grafiker Wolfgang E. Herbst wird während des Grafikmarktes auf seiner Boston-Tiegelpresse ausgewählte Holzschnitte aus seinem umfangreichen Werk drucken. Diese und weitere grafische Arbeiten, sowie Bücher aus seinen Handpressen können während des Grafikmarktes erworben werden.
www.kunstverein-meissen.de

Quelle: Amtsblatt Meißen

 

 

Geniestreiche zum (Vor)Lesen

Sächsische Zeitung vom 18.04.2012, von Sven Mücklich

Das Literaturfest Meißen ist kein normales Lesefest. Es bringt Literatur, die sich dem Mittelalter widmet, genauso wie Fantasy - unter freiem Himmel und selbst in Kirchen.

Zahlreiche Lesungen wird es beim diesjährigen Literaturfest Meißen vom 6. bis 10. Juni in Meißner Kirchen geben. Die SZ sprach mit Christof Voigt von der Johannesgemeinde.
Die Kirchgemeinden engagieren sich für das Literaturfest. Welche Motivation steckt dahinter?
Da gibt es gleich mehrere: die Lust am Lesen sowie unsere schönen Kirchen als malerische, bewegende und besinnliche Leseorte. Außerdem wollen wir auch Bücher vorstellen, die das Religiöse mit zur Sprache bringen. Das Leben ist schließlich mehr als nur Geld und Materie. Wer sich für Literatur interessiert, erfährt das häufig.
Welche Gemeinden beteiligen sich und was werden die Höhepunkte sein? Was erwartet die Zuhörer bei den Lesungen?
Es wird in jeder Kirche mindestens eine Lesung geben. Mit dabei ist vor allem die Johannesgemeinde: Wir wollen dieses Jahr die Wurzeln unserer Kultur in zweierlei Hinsicht zur Sprache bringen. Das Mittelalter ist für uns heute sehr interessant – es ist nicht umsonst das wiederkehrende Thema des Literaturfestes. Aber in der heutigen Mittelalterliteratur findet man zumeist Menschen mit unserem modernen Denken, die fremd durch das Mittelalter gehen. Das macht einen Teil der Spannung aus, hilft aber kaum, das Leben und Denken unserer Vorfahren zu verstehen. Wen das interessiert, der ist bei der Lesung von Gedichten der Teresa von Avila richtig und bei der Biografie des Franziskus von Assisi, des wohl bekanntesten Vertreters dieser Epoche. Frau Renate Henke intensiviert die Eindrücke durch eine Verbindung von Literatur und Musik. So wird zu den Gedichten der Teresa mittelalterliche spanische Gitarrenmusik erklingen. Auch die Gedichte des Hauptdichters des Jugendstils, Rainer Maria Rilke, werden mit damals zeitgenössischer Musik begleitet. Die jüdischen Märchen um den Golem – den künstlichen Menschen, der Goethe für den „Zauberlehrling“ Modell stand – bringen uns das jüdische Leben im mittelalterlichen Prag nahe. Es gibt eine Geschichte aus der Bibel vom Propheten Jona zu hören, märchenhaft und zugleich voller Spannung und voller Lebenswahrheit.
Wie viele Lesungen wird es insgesamt geben?
Insgesamt wird es mehr als 20 Lesungen geben, die von den Kirchgemeinden verantwortet werden, vielleicht kommen auch noch weitere hinzu. Die Frauenkirche ist mit neun Märchenlesungen für Jung und Alt und einem Bücherflohmarkt am Markt 10 präsent, wo man dann gleich noch in alten Büchern stöbern kann. Und Dr. Norbert Herrmann wird im Türmerzimmer im Frauenkirchturm auf vergnügliche Weise zeigen, dass man auch im Mittelalter schon erstaunlich gut rechnen konnte.
Was schätzen Sie persönlich am Literaturfest?
Die Verbindung von einer großartigen Stimmung und guter Laune mit Zuhören und Sich-gefangen- nehmen-Lassen von Gedanken und Fantasien anderer Menschen.
Worauf freuen Sie sich am meisten?
Auf die Lesung von Dr. Oliver Morof, der ein Buch von Manfred Lütz vorstellen wird: „Irre. – Wir behandeln die Falschen“. Das Buch ist ein Geniestreich. Die Welt der Psychotherapie kurzweilig und lustig, aber zugleich fachkundig beschrieben, und so liebevoll, dass man seelisch kranken Menschen dann viel aufgeschlossener und verständnisvoller begegnet.
Interview: Sven Mücklich

Quelle: Sächsische Zeitung

 

 

Grafikmarkt zieht in die Albrechtsburg

Meißner Tageblatt vom 08.03.2012, Seite 3, von Toralf Grau

Die Terminplanung der Meißner Stadtverwaltung sah Daniel Bahrmann vor wenigen Tagen mit gemischten Gefühlen.

"Ich bin enttäuscht, dass es nicht geklappt hat", sagte der Vorsitzende des Meißner Kunstvereins. "Nicht geklappt" hatte es mit der Buchung des großen Saals im historischen Rathaus: Dort sollte am 12. und 13. Mai der diesjährige "Meißner Grafikmarkt" stattfinden. So war es vom Kunstverein geplant, so steht es im städtischen "Kulturkalender" - und doch wird nun alles neu und anders organisiert.

Die Stadt hatte dem Verein abgesagt: Kurzfristig habe das Innenministerium angefragt, ob der Saal just an jenem Mai-Wochenende für eine repräsentative Veranstaltung gebucht werden könne, heißt es von der Verwaltung. Er konnte und der Kunstverein musste draußen bleiben. Vorsitzender Daniel Bahrmann sagt, dass man dieses Problem "konstruktiv bewältigen" müsse und hatte für seinen Verein eine Lösung gefunden. Der diesjährige Meißner "Grafikmarkt" wird in der Albrechtsburg stattfinden.

"Eine kleine Herausforderung" sei der ungeplante Umzug, sagt der Vereinschef. Doch er und seine Mitstreiter wollen den "Grafikmarkt" auch am neuen Ort zu einem Erfolg machen. Im Ratssaal war er genau das: Rund 5.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr an zwei Tagen, um die Arbeiten von Dutzenden Künstlern aus Meißen, dem Elbland, Dresden, Leipzig und Halle zu sehen und zu kaufen. "In diesem Jahr rechnen wir mit etwa der gleichen Zahl an Ausstellern und hoffentlich auch an Besuchern", so Daniel Bahrmann. Um letztere müsse nun durch den Umzug in die Burg weit stärker geworben werden als im vergangenen Jahr. "Die Besucher sind aufs Rathaus als Veranstaltungsort geeicht. Wir müssen sie auf den neuen Ort hinweisen“. Das sei eine "Herkulesaufgabe": Es brauche mehr Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld und am "Grafikmarkt"-Wochenende sicher auch Wegweiser und Hinweistafeln.

Auch eine Chance

Doch der Umzug sei auch eine Chance, so der Chef des Kunstvereins. Der Name der Albrechtsburg sei sehr bekannt, damit könne man gut für den Meißner "Grafikmarkt" werben. Zum anderen sei die Burg architektonisch reizvoll. Der Markt soll in der Großen Hofstube und im Großen Saal der Albrechtsburg stattfinden. "Wir könnten dort in der Zukunft eine doppelt so große Fläche nutzen wie im Ratssaal", sagt DanieI Bahrmann. In diesem Jahr muss aber zunächst ausprobiert werden, wie die Kunst in dem historischen Gemäuer am besten präsentiert werden kann. "Die Lichtverhältnisse sind dort nicht einfach, das Einrichten des Markts wird umständlicher." Auf alle Fälle solle in diesem Jahr beim "Grafikmarkt" am neuen Ort etwa die gleiche Fläche bespielt werden, wie im vergangenen Jahr im Rathaus.

Dort sorgte der Umzug des "Grafikmarkts" unterdessen für einigen Wirbel. Die Stadträte kritisierten die Absage der Verwaltung an den Verein und forderten diesen auf; mit dem "Grafikmarkt" wieder ins Rathaus zurückzukehren. "Das ist eine schöne Initiative. Es freut uns, dass die Stadträte sich für die Kultur einsetzen", sagt Daniel Bahrmann. Allerdings sei es nicht mehr möglich, auf diese Offerte einzugehen. "Wir haben mit den Vorbereitungen schon begonnen und können das nicht mehr zurückdrehen." Der "Grafikmarkt" 2012 wird in der Albrechtsburg stattfinden.
Toralf Grau

Quelle: Meißner Tageblatt

 

 

Stadträte holen den Grafikmarkt zurück ins Rathaus

Freitag, 2. März 2012, Sächsische Zeitung

Ein Beschluss verpflichtet Verwaltung und Kunstverein zum Umorganisieren.

Unter dem Titel „Grafikmarkt fliegt aus dem Rathaus“ hatte die SZ in der vorigen Woche über die doppelte Vergabe des Ratssaales berichtet. Am 12. Mai war er für den Grafikmarkt des Kunstvereins und ein überregionales Treffen von Archivaren reserviert worden.
Dass die Stadtverwaltung den Archivaren den Vorzug gab und den Kunstverein ersuchte, ein neues Domizil für den Grafikmarkt zu finden, hat jetzt für einen regelrechten Aufstand der Stadträte gesorgt.
Am Mittwochabend fassten alle 22 anwesenden Stadträte spontan einen Beschluss, demzufolge der Ratssaal am 12. und 13. Mai für den Grafikmarkt zu Verfügung stehen muss. Das klare Votum verpflichtet die Verwaltung, für die Tagung der Archivare einen neuen Raum zu finden.
Bürgermeister Hartmut Gruner musste einräumen, dass ein Fachamt der Verwaltung die Reservierung des Saals für den Kunstverein wohl übersehen hatte, als es den Saal ebenfalls für den 12. Mai auf Bitten des Dresdner Innenministeriums für die Archivare zur Verfügung stellte. Da an diesem Tage auch in Sälen am BSZ und an der Fachhochschule Veranstaltungen stattfinden, habe die Verwaltung den Kunstverein um das Verlegen des Grafikmarktes bitten müssen.
Gundula Sell (Freie Bürger/SPD) verwies darauf, dass die beim Grafikmarkt ausstellenden Künstler auf Kundschaft der Meißner Innenstadt angewiesen sind. Hans-Georg Patt (CDU) erklärte, dass der Kunstverein einen solchen Umgang nicht verdient habe. Er schlug den Beschluss vor, um den Fehler der Verwaltung zu korrigieren.
Den Einsatz der Stadträte für den Kunstverein begrüßte dessen Vorsitzender Daniel Bahrmann. „In der Entscheidung sehe ich eine hohe Wertschätzung unserer Arbeit“, sagte er gestern zur SZ. Der Verein muss nun erneut umorganisieren. Soeben hatte er Einladungen und Werbung an die Albrechtsburg als Veranstaltungsort angepasst.
Der Meißner Grafikmarkt findet in diesem Jahr bereits zum elften Mal statt. Im vorigen Jahr kamen 5000 Besucher ins Rathaus. (SZ/da)

Quelle: Sächsische Zeitung

 

 

Es ist uns wichtig, in der Stadt verankert zu sein

Meißner Tageblatt am 23.02.2012, Seite 4, von Toralf Grau

Meißens Kunstverein wird 20 Jahre alt und plant zum Rückblick eine Ausstellung

Nein, die bunte Bemalung auf dem weißen Putz hat nichts mit dem Jubiläum zu tun. Der Künstler Tony Franz machte bei seiner Ausstellung in der Galerie im Bennohaus zwar selbst die Wände zum Kunstobjekt. Doch der 20. Geburtstag des Meißner Kunstvereins wird in diesem Jahr separat gefeiert. Etwa bei der “Langen Nacht” im Juni: “Da machen wir die 20 Jahre zum Thema”, sagt der Vorsitzende Daniel Bahrmann. Zum runden Jubiläum gehört – ganz klar – ein Rückblick. Die Gründung des Kunstvereins Meißen am 22. April 1992 war eigentlich eine Wiedergeburt. Schon im November 1917 war der “erste” Meißner Kunstverein gegründet worden, sagt Bahrmann. “In einer Zeit, in der die Leute kaum etwas zu essen hatten, war das Interesse für Kunst erstaunlich groß.” Der Verein wurde schnell eine Erfolgesgeschichte: Um 1920 hatte er fast 1.000 Mitglieder. Ausstellungen organisierte der Verein in Meißen bis in die Jahre des Zweiten Weltkriegs. Nach Kriegsende nahm er allerdings die Arbeit nicht wieder auf, 1948 wurde er aus dem Vereinsregister gelöscht.
Die Neugründung.1992 fand dann unter gänzlich anderen Vorzeichen statt. “Es gab eine Aufbruchstimmung, die Künstler wollten die neuen Freiheiten nutzen”, sagt Daniel Bahrmann. Ausstellungen organisieren ohne Bevormundung, in Meißen auf sich aufmerksam machen: “Es gab viele Ideen und Wünsche, aber zunächst noch gar keinen eigenen Ausstellungsort. ” Den hat man heute im Bennohaus, freut sich über viele Erfolge, sieht sich aber dennoch noch längst nicht am Ziel aller Wünsche.
Rund 40 Mitglieder hat der Verein heute: “Das sind definitiv zu wenig”, sagt Vorsitzender Daniel Bahrmann. Es ist eine alte Frage: Soll ein Kunstverein ein Verein von Künstlern sein oder ein Zusammenschluss von Bürgern, die die Kunst unterstützen wollen? “Bei uns ist er beides”, sagt die Meißner Künstlerin Else Gold, seit einigen Jahren als stellvertretende Vorsitzende im Amt. “Aber die Vereinsarbeit in einem Kunstverein ist nun mal nicht so einfach: Wir machen ja eher keine Angebote für unsere Mitglieder, sondern unsere Mitglieder bemühen sich darum, die Kultur in der Stadt zu fördern.” In Meißen tut man das vor allem mit einem ambitionierten Ausstellungsprogramm im Bennohaus. Ein “roter Faden” im Programm sei wichtig, damit der Verein wahrgenommen werde, sagen Daniel Bahrmann und Else Gold. Der Kunstverein Meißen setzt auf zeitgenössische Kunst. Wir stellen aber nicht nur die Werke von ganz jungen Künstlern aus. Wir zeigen Arbeiten, die das heutige Leben reflektieren.” Bahrmann erläutert das am diesjährigen Ausstellungsprogramm.
Den Jahresauftakt hatte mit Tony Franz ein junger Künstler gestaltet, im Jahreslauf wird nach einer großen Gemeinschaftsausstellung eine Schau mit Werken des Meißners Helmut Symmangk dazukommen. “Das ist ein Künstler, der sehr Interessantes zu zeigen hat, aber damit zuletzt nur wenig an die Öffentlichkeit gegangen ist.” Auch wenn man sich eben auf Zeitgenössisches konzentriert, will man dennoch die Balance wahren: Werke von Künstlern aus anderen Regionen werden ebenso im Bennohaus gezeigt, wie die aus Meißen und dem Elbland. “Es gibt den Blick nach außen über den Meißner Tellerrand”, sagt Else Gold. “Aber es ist uns ebenso wichtig, in der Stadt verankert zu sein.” Das sei man über Ausstellungen hiesiger Künstler, aber auch über Jazz-Konzerte in “Bahrmanns Keller” oder Aktionen wie das Literaturfest”, für das der Kunstverein Veranstalter ist.
Die Mischung hat Erfolg. Die Besucherzahlen in der Galerie im Bennohaus sind hoch: Wir haben Stammpublikum aus Meißen. Aber auch Gäste aus Riesa, Radebeul oder Dresden kommen regelmäßig”, sagt Dietmar Grille, der sich als Mitarbeiter um die Geschäfte des Kunstvereins kümmert. Bis auf ihn sind alle alle anderen Mitstreiter ehrenamtlich für den Verein im Einsatz. Mit den Ausstellungen im Bennohaus oder dem jährlichen Grafikmarkt gelte Meißen in der Region als eine wichtige Adresse für Gegenwartskunst: “Wir werden wahrgenommen”, sagt Daniel Bahrmann. Immer stärker auch von Kunst-Käufern: “Bei unseren Ausstellungen werden zunehmend Werke gekauft.” Bei der großen Rückblicks-Schau auf ,,20 Jahre Kunstverein Meißen”, die im November eröffnet werden soll, geht es dem Vorsitzenden und seiner Stellvertreterin aber vor allem um etwas anderes. Dann sollen möglichst Werke von allen Künstlern ausgestellt werden, die die Arbeit des Kunstvereins seit 1992 mitgeprägt haben. Die Vorbereitungen laufen: “Es sieht gut aus”, sagt Daniel Bahrmann.
T. Grau

Quelle: Meißner Tageblatt

 

 

Grafikmarkt fliegt aus dem Rathaus

Sächsische Zeitung am 22.02.2012, von Harald Daßler

Die Stadt hat den Ratssaal für eine andere Veranstaltung vergeben. Dabei hatte ihn der Kunstverein reserviert.

Das hat der Stadt gut zu Gesicht gestanden. Bis zu 5000 Besucher wurden beim Grafikmarkt gezählt, der im vorigen Jahr zum zehnten Mal stattfand. In Stadtverwaltung und Kunstverein ist man sich einig, dass das auch am Ort liegt. Seit vor zwei Jahren der Grafikmarkt vom Bennohaus ins sanierte historische Rathaus zog, entwickelte er sich zu einem Besuchermagnet.

In diesem Jahr ist das anders: Plötzlich steht der Ratssaal für den Grafikmarkt nicht mehr zur Verfügung. „Von der Stadtverwaltung erfuhr ich, dass der Saal anderweitig vergeben worden ist“, berichtet Kunstvereinsvorsitzender Daniel Bahrmann. Dabei steht der 12. und 13. Mai als Termin für den Meißner Grafikmarkt schon seit langem fest. Sogar im aktuellen Meißner Kulturkalender ist er vermerkt.

Die Sprecherin der Stadtverwaltung bestätigt das. „Die Landesregierung ist mit der Bitte an die Stadt Meißen herangetreten, den Saal am 12. Mai für eine repräsentative Veranstaltung zur Verfügung zu stellen“, erklärt Inga Skambraks. An jenem Tag soll hier ein Treffen der Archivare des Freistaates ausgerichtet werden. Diese Bitte habe man dem Innenministerium in Dresden nicht abschlagen wollen.

Natürlich seien dem Kunstverein nach dem Rauswurf Alternativtermine im Rathaussaal angeboten worden. „Das nützt uns aber wenig“, entgegnet Daniel Bahrmann. Denn der Grafikmarkt hat sich bei beteiligten Künstlern wie Besuchern fest eingeprägt, und zwar in Verbindung mit dem verkaufsoffenen Wochenende und dem Töpfermarkt. Seit Jahren schon finden alle drei Veranstaltungen an ein und demselben Mai-Wochenende in Meißen statt.

Nun auf der Albrechtsburg

Deshalb musste der Kunstverein selbst nach Alternativen suchen. Für eine gewachsene Veranstaltung dieser Größenordnung bietet die Stadt nicht mehr viel Auswahl. Das Bennohaus, wo der Kunstverein über zwei Ausstellungsräume verfügt, kam nicht in Frage, weil sich hier nicht mal ein Dutzend Grafiker hätte präsentieren können.

„Am Wochenende hat der Vorstand entschieden, dass wir den diesjährigen 11.Grafikmarkt auf der Albrechtsburg veranstalten werden“, erklärt Vereinschef Bahrmann. Nun beginnen die Vorbereitungen praktisch wieder von vorn. Für den Verein ist das mit höherem Aufwand verbunden – das steht heute schon fest. Es sei ja nicht nur der neue Veranstaltungsort zu kommunizieren. Gerade, weil am 12. und 13. Mai verkaufsoffenes Wochenende und Töpfermarkt ist, dürfte es schwierig werden, die Aufmerksamkeit der Meißen-Besucher auch noch auf den Burgberg zu lenken.

Das Rathaus habe sich beim Verein für Unannehmlichkeiten entschuldigt, die durch den Rauswurf entstehen, sagt Daniel Bahrmann. Beim Verein hinterlasse die Vorgehensweise der Stadt dennoch ein ungutes Gefühl: Offenbar liegen die Vereine der Stadt nicht so am Herzen wie sie stets offiziell betont. Dieses bittere Fazit zieht er aus der Angelegenheit. Schließlich habe der ehrenamtlich arbeitende Kunstverein mit dem Grafikmarkt auch eine Veranstaltung entwickelt, die große Ausstrahlungskraft über die Stadtgrenzen hinaus entfaltet habe.

50 Künstler sollen kommen

Auf der Albrechtsburg soll der 11. Grafikmarkt nun in der Großen Hofstube stattfinden. Von der Fläche her ist sie mit dem Rathaussaal vergleichbar. Der Verein will höchstens 50 Künstler einladen. Mehr geht nicht. Die Grenzen setzen die Räumlichkeiten sowie die Lichtverhältnisse auf dem Schloss. Der Aufbau der einzelnen Stände, an denen sich die Künstler präsentieren und ihre Arbeiten zum Kauf anbieten, dürfte sich schwieriger als im historischen Rathaus gestalten – auch, weil alles auf den Burgberg transportiert werden muss.

Die Wiege Sachsens als Ort für den diesjährigen Grafikmarkt will Daniel Bahrmann auch als Argument nutzen, um Künstler von weiter her als sonst nach Meißen zu holen. Vielleicht lässt sich auf diese Weise weiteres Entwicklungspotenzial für die Veranstaltung des Kunstvereins gewinnen, hofft Vereinschef Daniel Bahrmann.

Quelle: Sächsische Zeitung, www.sz-online.de/Nachrichten/Meissen

 

 

EinBlick in die Zukunft der Kunst?

SonntagsWochenBlatt vom 29.01.2012

Tony Franz stellt im Kunstverein Meißen aus / Daniel Bahrmann "Ein großartiges Talent"

 

Quelle: SonntagsWochenBlatt, www.SonntagsWochenBlatt.de

 

 

Schwarz auf Weiß

Sächsische Zeitung, 25.01.2012, von Udo Lemke

Der Kunstverein Meißen feiert 20-jähriges Bestehen. Die Jubiläumssaison wird mit einem begnadeten Zeichner eröffnet.

Die Raffinesse liegt in der Beschränkung. Tony Franz arbeitet nur mit Bleistift und Papier. Der 1985 in Zwickau Geborene ist Zeichner – und hier trifft das altertümliche Wort in vollem Sinne zu – ein begnadeter. „An der Zeichnung hängt mein Herz, sie ist kompromissloser als Malerei. Man muss lange überlegen, ehe man ein Schwarz setzt, denn auch der beste Radiergummi löscht keine Linie.“ Und die Zeichnung geht der Malerei voraus, wäre hinzu zu fügen. Nicht nur im Sinne einer Skizze, sondern generell. Sie ist das Aschenputtel der Künste, gering geschätzt und verlacht und doch deren heimliche Königin. Tony Franz gehört zu denen, die ihr die Asche aus dem Gesicht wischen.
Pferde und Kalligrafie
Im Meißner Kunstverein zeigt der an der Dresdner Kunsthochschule Diplomierte keine zehn Blätter. In ihnen gibt er eine Vorstellung von den unerschöpflichen technischen und formalen Möglichkeiten, die das Gespann Bleistift und Papier birgt. Da gibt es eine iPhone-Zeichnung nach einem einfachen Zeichenprogramm und eine Gruppe von Kindern (siehe Abbildung), gezeichnet nach einer Fotografie. Beide stehen für seine Arbeitsweise: Ein elektronisch erzeugtes Bild wird zur Vorlage für die Arbeit ausgesucht und umgeformt.
Und dann beschreibt er den Unterschied zwischen Fotografie und Zeichnung: „Bei der Zeichnung werden die wichtigen Merkmale hervorgehoben.“ Wenn etwa jemand einen Fisch zeichne, dann „zeichnet er alle Fische der Art in einem, weil er die Grundmerkmale der Art fassen will“.
Nichts Liebliches hat die Darstellung von Pferden bei Tony Franz. Auch hier dienen ihm Medienbilder als Vorlage, etwa die von Pferdekämpfen, wie sie in arabischen Ländern oder China arrangiert werden und teils bis zum Tod der Tiere abgehalten werden. Es sind Momentaufnahmen voll roher Gewalt, deren irritierende Wirkung auch daraus resultiert, dass die Tiere detailgenau dargestellt sind wie auf altmeisterlichen Zeichnungen.
„Man nimmt ein Foto pur, als Wahrheit, sobald man es bearbeitet, bekommt es ein Geheimnis.“ In der Meißner Ausstellung steht dafür vor allem das großformatige Blatt eines Hauses. Eines brennenden Hauses, wie das Auge bald erkennt. Das Geheimnis liegt – wie man spätestens seit den Abmalungen Gerhard Richters, die er seit Beginn der 1960er Jahre schuf – in der Unschärfe begründet. Die gestochene Schärfe, der gleichsam erdrückende Detailreichtum der Fotografie wird aufgelöst. Das Eindeutige wird mehrdeutig, das Reale diffus, zweifelhaft.
Für Tony Franz ist Zeichnung auch Schrift, wie zwei typografische Blätter zeigen, die mit Buchstaben und Worten spielen. Für ihn ist sie aber auch Kalligrafie, wie eine weitere großformatige Arbeit zeigt. Sie zeugt von der zeichnerischen Besessenheit, mit der er arbeitet. Fein geschwungene Linien und breitere, mit Grafitstaub aufgetragene, überziehen das Blatt. Sie heben sich weißlich-grau vor dem tief schwarzen Hintergrund ab. Diesen hat Tony Franz „ausgemalt“. In wochenlanger Arbeit hat er mit dem Bleistift das Weiß zwischen den Linien geschwärzt. Gegenstück zu dieser Kärrnerarbeit sind bunte Skulpturen, wie die in Meißen zu sehende, die an eine Kleckerburg erinnern. „Das Lange-an-einem -Blatt-Sitzen ist meditative Arbeit, in der Installation hole ich mir das schnelle Arbeiten zurück.“
Kreide und Kakao
Zwischen seinen Blättern hat Tony Franz in Meißen mit bunter Straßenkreide auf die Wände gemalt. Auf dem Parkett liegen Figuren aus bunter Kreide, etwa nachgegossen von Porzellan-Nippes. In einer früheren Ausstellung hatte Tony Franz Kakaopulver auf den Fußboden gestreut: „Es hat einige Tage gedauert, bis sich der erste Besucher getraut hat, etwas in den Kakaostaub zu zeichnen.“
Ausstellung im Kunstverein Meißen bis 25. Februar dienstags bis freitags 11–18 Uhr und samstags 10–15 Uhr im Bennohaus, Markt 9, 01662 Meißen, Tel./Fax: 03521 476650, www.kunstverein-meissen.de

Quelle: Sächsische Zeitung, www.sz-online.de/Nachrichten/Meissen

 

 

EinBlick in die Zukunft der Kunst

Amtsblatt Meißen vom 27.01.2012

Tony Franz stellt im Kunstverein Meißen aus

Quelle:Meißner Amtsblatt, www.stadt-meissen.de