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Lesung im Kunstverein

 

Todleben

Eine deutsch-polnische Suche nach der Vergangenheit
Uwe von Seltmann
Lesung und Gespräch


Mittwoch · 28. März 2012 · 19:00 Uhr
im Kunstverein Meißen · Markt 9
Eintritt frei


Todleben 
Eine deutsch-polnische Suche nach der Vergangenheit

Todleben - ein Buch wie ein Roadmovie:
Eine Reise in entlegene Gegenden und verdrängte Zeiten

Die Vergangenheit bricht meistens dann in die Gegenwart hinein, wenn man nicht damit rechnet. So wie an jenem Abend im Juli des Jahres 2006 in Krakau, als sich der deutsche Journalist Uwe von Seltmann und die polnische Künstlerin Gabriela Maciejowska begegnen. Die beiden verlieben sich ineinander, aber sie müssen schon bald erkennen, dass die Vergangenheit nicht vergangen ist, sondern sie auf fatale Weise miteinander verbindet: Uwes Großvater Lothar von Seltmann war während des Zweiten Weltkriegs SS-Mann in Krakau, Gabrielas Großvater Michal Pazdanowski von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet worden.

Drei Jahre nach der Veröffentlichung seines Buches «Schweigen die Täter, reden die Enkel» (Fischer TB, 2. Aufl. 2011), in dem er die Geschichte der Recherche nach seinem Großvater erzählt hat, begibt sich Uwe von Seltmann erneut auf Spurensuche: Er will nun das Leben und Sterben Michal Pazdanowskis nachzeichnen. Gabriela, inzwischen seine Frau, sträubt sich zunächst, weil sie sich fürchtet, die Büchse der Pandora zu öffnen und alte Wunden aufzureißen. Doch schließlich begeben sie sich gemeinsam auf den Weg. Die Suche nach Antworten führt sie durch halb Europa: in die ukrainische Huzulei und ins französische Baskenland, nach Wien und Lublin, nach Majdanek und Auschwitz. Überall treffen sie auf Menschen, die ihr lebenslanges Schweigen brechen und schier unglaubliche Geschichten erzählen, sie entdecken bewegende Zeugnisse von tiefer Freundschaft. Ihre Reise in entlegene Gegenden und verdrängte Vergangenheiten wird für sie mehr und mehr zu einer Reise zu sich selbst. Sie erkennen, dass sie nicht die Einzigen sind, die lernen müssen, mit den Geistern der Vergangenheit umzugehen.
Und dass nur, wer die Vergangenheit kennt, auch die Zukunft gestalten kann – so wie es der Dichter Herrmann Hesse gesagt hat: «Es kehrt alles wieder, was nicht bis zu Ende gelitten und gelöst ist».
Das Buch erscheint im Februar 2012 bei Herbig.

Der Autor

Uwe von Seltmann, Jahrgang 1964, war nach seinem Studium der Evangelischen Theologie zunächst in Wien, Berlin und Dresden als Korrespondent tätig, dann sieben Jahre als Chefredakteur evangelischer Wochenzeitungen. Seit 2008 lebt er als freier Publizist überwiegend in Krakau. Er hat acht Bücher veröffentlicht und zuletzt Leben mit und ohne Gott mit herausgegeben.

Das Buch

Die Familien sind auf fatale Weise verbunden: Der deutsche Großvater war ein SS-Mann in Polen, der polnische Großvater wurde in Auschwitz ermordet; zwei ihrer Enkel sind miteinander verheiratet. Uwe von Seltmann öffnet die Büchse der Pandora und forscht nach: Ist sein Großvater dem seiner Frau Gabriela begegnet, hat er etwas mit dessen Tod zu tun? Briefe und Zeugnisse aus der Zeit führen ihn auf der Suche nach Antworten quer durch Europa, zu den Schauplätzen nationalsozialistischer Verbrechen, zu Überlebenden des Holocaust und ehemaligen Tätern. Berührend und erschütternd zugleich schildert er, wie in den beiden Familien alte Wunden aufreißen und längst Verdrängtes ins Bewusstsein zurückkehrt.


Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen Weiterdenken- Heinrich Böll Stiftung Sachsen, dem Verlag Herbig und dem Kunstverein Meißen.

Weiterdenken - Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen: www.weiterdenken.de
Herbig Verlag: www.herbig.net
Kunstverein Meißen: www.kunstverein-meissen.de