Kunstverein Meissen e.V., Ausstellungen, Vernissage, Künstler, Meißen, Jazz im Keller

20 Jahre Kunstverein Meissen 1992 - 2012

Ausstellung


Um Kopf und Kragen

Jürgen Schieferdecker

Montagen und Collagen

13. September bis 7. November 2015

Zur Eröffnung der Ausstellung
am Sonntag, den 13. September, um 11:00 Uhr
laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.

Lesung in der Ausstellung:
Fritz Rösler liest Texte aus dem Zündblättchen Nr. 54 und andere Gedichte
Donnerstag, 22. Oktober 2015, 19.00 Uhr

 

Jürgen Schieferdecker



Um Kopf und Kragen

Es gibt nur wenige Künstler, die über ihr gesamtes Schaffen so vital auf Zeit- und Kunstgeschehen reagierten und reagieren wie Jürgen Schieferdecker. Das Motto seiner aktuellen Ausstellung "Um Kopf und Kragen" erscheint so keineswegs aus der Luft gegriffen, denn Künstler, die sich ausdrücklich als politisch verstehen, sind selten geworden in der gegenwärtigen Kunstszene.

Der Dresdner Künstler Jürgen Schieferdecker ist einer von den Künstlern, deren Werk durch und durch politisch ist. Die Ausstellung würdigt das vielgestaltige Werk des Malers, Grafikers, Objektkünstlers und Plastikers mit einer kleinen präsentativen Auswahl seiner Werke zur Zeitgeschichte, die in den letzten Jahren entstanden sind.

Jürgen Schieferdeckers Anspruch als Künstler war und ist den „Zeitgenossen unter die (Kopf-)Haut” zu gehen. Denn Werke, die dies nicht schon zu ihrer Entstehungszeit schaffen, können auch „später wenig Anspruch auf Interesse” erheben.

Der 1937 in Meerane geborene Künstler, der seit der Aufnahme seines Architekturstudiums 1955 in Dresden lebt und arbeitet, sorgte in der DDR immer wieder für Unruhe unter den Ffunktionären. Sie fühlten sich provoziert durch sein stetiges Bemühen, die Finger in die Wunden der Gesellschaft zu legen. Dementsprechend lang ist die Liste seiner Arbeiten, die in der DDR aus Ausstellungen entfernten worden sind.

Mit großer Lust und grafischem Entdeckertum streift Jürgen Schieferdecker auch heute noch durch die Kunstgeschichte. Er perfektioniert sein künstlerisches Vokabular weiterhin, bereichert die Grafik mit aufwendigen Drucktechniken um neue, einfallsreiche Varianten - ohne dabei „den Stachel in Schönheit ersaufen zu lassen.”

Prononciert bezieht er darin Stellung zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in den neuen Bundesländern, dem Rechtsradikalismus und der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland, aber auch zu den globalen Gefahren in einer globalisierten Welt. Zugleich wendet er sich beharrlich gegen alle Versuche, dass in der DDR geschehene Unrecht zu verharmlosen oder gar zu vergessen. Hartnäckig verficht er auch heute seinen Anspruch auf Utopie - als Antizipation einer möglichen, besseren Welt.

 

Biografie - Jürgen Schieferdecker

1937 geboren in Meerane
1955 - 1962 Architekturstudium an der TU Dresden, u.a. bei Georg Nerlich und Karl-Heinz Adler
1962 - 1975 Arbeit als Architekt, Partner von Bernhard Klemm, div. Bauten und Projekte und Fortsetzung der bildkünstlerischen Arbeit als Maler, Grafiker und Objektkünstler
1975 Sekretär, später Leiter des Künstlerischen Beirates der TU Dresden, Lehrtätigkeit an der Fakultät Architektur
1977 Mitglied des Verbandes Bildender Künstler der DDR
1983 Erwerbung des druckgrafischen Gesamtwerkes durch das Kupferstich-Kabinett Dresden
1990 Mitglied, ab 1994 Vorsitzender des Künstlerbundes Dresden im BBK 1993 Professor für Bildkünstlerische Lehre an der TU Dresden, Fakultät Architektur

Langjährige Kuratorentätigkeit in
- Stiftung Kulturfonds Berlin
- Kunstfonds des Freistaates Sachsen
- Kunstkommission der Landeshauptstadt Dresden

Seit 1973 ca. 70 Personalausstellungen (bis 1989 in der DDR, seitdem weiteres Bundesgebiet); Beteiligung an Biennalen und wichtigen Gruppenausstellungen in aller Welt; Zahlreiche nationale und internationale Grafikpreise, u.a. Biennalen Krakau, Frechen, Tokio, Baden-Baden, Lublin.

Zahlreiche Werke in Museums- und Sammlungsbesitz.