Kunstverein Meissen e.V., Ausstellungen, Vernissage, Künstler, Meißen, Jazz im Keller

20 Jahre Kunstverein Meissen 1992 - 2012

Ausstellung



WASSER-SPIEGEL

Frank Herrmann

6. April bis 24. Mai 2014

Verniossage: Sonntag, 6. April 2014, 11.00 Uhr

Begrüßung: Else Gold
Musik: Max Loeb Garcia - Gitarre

Kunstverein Meissen - Wasserspiegel - Frank Herrmann

WASSER-SPIEGEL
Frank Herrmann

In der diesjährigen Frühjahrsausstellung im Kunstverein Meißen mit dem Titel „WASSER-SPIEGEL“ sind kinetische Objekte des in Dresden lebenden Künstlers Frank Herrmann zu sehen. Im Werk des Künstlers spielen Wasser, Spiegel und Bewegung eine wesentliche Rolle.

Zu seinen kinetischen-Spiegelobjekten sagt der Künstler:
„In unseren Städten haben wir eine künstliche Welt aus Reflexion und Transparenz erschaffen, in der die Illusion der Weite einer Landschaft aufscheint. Die Anziehungskraft einer spiegelglatten Wasseroberfläche fand ihr Pendant in den uns umgebenden reflektierenden Oberflächen. Hier finde ich Anregungen für das Eigenleben meiner Spiegelobjekte, die mit der Wahrnehmung spielen. Spiegelteile werden mittels Sensoren in Bewegung versetzt, vibrieren, verschieben sich gegeneinander, rotieren, schränken die Perspektive ein oder erweitern sie. In den bespielten Räumen kommt es zur Interaktion zwischen Betrachtern und Objekten. Sie lassen auch an die fast vergessenen Spiegelkabinette und -labyrinthe alter Jahrmärkte denken. Das kurze irritierende Auftauchen und verschwinden unserer Physiognomie auf einer Spiegelfläche zeigt uns die Flüchtigkeit unseres Da-Seins.“

Frank Herrmann wurde 1955 in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) geboren. Sein Studium (1976-80) an der TU Dresden schloss er ab als Dipl.-Ing. für Wasserbau. 1987 wurde er Kandidat des Verbands Bildender Künstler der DDR. Seit den 90er Jahren erhielt er mehrere Arbeitsstipendien:1990/91 vom Sekretariat für gemeinsame Kulturarbeit NRW, 1993/94, 1996, 1997 war er Stipendiat der Stiftung Kulturfonds Berlin. Im Rahmen dieser Stipendien arbeitete er im Künstlerhaus Ahrenshoop und in New York. Weitere Arbeitsaufenthalte und Auslandsstipendien folgten: 2000 Cleveland/ Ohio (USA), Chihuahua (Mexiko), 2004 Aufenthaltsstipendium des Kunstverein Röderhof e.V., 2008 Tidaholm (Schweden) und 2011 Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds Bonn.
Er erhielt mehrere Preise: 1997 den Ahrenshooper Kunstpreis des Freundeskreises Kunsthaus Guttenberg, 1998 den Bautzener Kunstpreis.
Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland gezeigt.

In der Zeit vom 6. April bis 24. Mai 2014 werden in der Ausstellung „WASSER-SPIEGEL“ kinetische Spiegelobjekte von Frank Herrmann in den Galerieräumen im Kunstverein Meißen zu sehen sein.

 

Webseite: www.frankherrmann.info/

 

DIE BEWEGUNG DER SPIEGEL

von Frank Herrmann

Fundstücke und mein eigener Körper waren die "Protagonisten" meiner frühen Foto- Inszenierungen. Dabei ging es mir meist nicht um das Einzelbild. In Tableaus, in Sequenzen versuchte ich Prozesse zu verdeutlichen, die ich mit dem Ziel der fotografischen Ablichtung inszeniert hatte. Diese Reihungen waren ein Versuch, die Starre des eingefrorenen Bildmomentes wieder aufzubrechen, zur Bewegung und damit zur Realität zurückzukehren. Nicht zufällig entstanden die Arbeiten überwiegend im Umfeld oder im di-rekten Kontakt mit Wasser.
Wasser kann man als Symbol für Bewegung schlechthin sehen. Wasser ist Leben, Leben ist Bewegung. Doch gibt es auch die scheinbar unbeweglich glatte Oberfläche des Wassers, die uns spiegelgleich in ihren Bann zieht und die Menschen zu ihrer technischen Nachahmung inspirierte. Doch mit der geringsten Luftbewegung bringt das Kräuseln der Wasseroberfläche unser Konterfei zum Verschwinden. Wir ha-ben die Bewegung eliminiert, um der Reflexion ihre Flüchtigkeit zu rauben. Die Starre des Spiegels bleibt uns erhalten. Nur wir können uns entziehen.
1984 verwendete ich in einer meiner Fotoarbeiten erstmals einen Spiegel. In "TV-Serien" drapierte ich die Bildröhre eines alten Fernsehgerätes ironisch mit verschiedenen Materialien. Zuletzt folgte ein Spiegel, der mich selbst im "Programm" erscheinen ließ. Die Unbewegtheit des Fotos ließ mir keine Ruhe. Ich wollte es verwandeln, wieder in Bewegung versetzen. Ich attackierte es mit Farbe, Zeichenstiften und Kratzwerkzeugen. Aber das Ergebnis war wieder nur ein fixierter Zustand.
Um die Haltbarkeit von Silber-Gelatine-Fotoabzügen zu gewährleisten, müssen sie einer intensiven Schlusswässerung unterzogen werden. Lässt man allerdings das Bild für längere Zeit im Wasserbad, schlägt das erwartete Resultat ins Gegenteil um, weil die Gelatineschicht nur begrenzt dem Angriff des Wassers widersteht. Diesen Umstand bezog ich in meine künstlerische Arbeit ein. Die Fotografien wurden während der Dauer der Ausstellung in fotoschalenähnlichen Metallwannen dem Verfallsprozess im Wasser ausgesetzt. In meiner ersten derartigen Installation "Seance" 1994 im niederländischen Njimegen waren es die Porträts der ersten Reichsregierung unter Hitler, die sich im Wasserbad verwandelten. Später folgten fotografische Selbstporträts oder die Konterfeis unserer aktuellen Weltenlenker. Die Bestandteile der Fotoschicht wurden durch die Molekularbewegung des Wassers aus der Gelatine gelöst und umverteilt. Mit der Verdunstung des Wassers entstand ein neustrukturiertes Bild bis hin zur beinahe völligen Auslöschung des Informationsgehaltes. So sah sich der Betrachter einer nicht wahrnehmbaren Bewegung gegenüber, deren Wirkung er nur durch mehrmaligen Besuch der Ausstellung verfolgen konnte.
Mittels der künstlichen Bewegung des Mediums Film ließ sich der über Wochen andauernde Prozess auf wenige Minuten komprimieren. Meine einzige Videoarbeit "angesichts" von 2001 zeigt die Verwandlung meiner Physiognomie in zufällige Strukturen. Eine andere Möglichkeit, den Prozess zu veranschaulichen, bot der Einsatz fließenden Wassers: "Installation" 1999 (auf den Elbwiesen) und "In Betrachtung des fließenden Wassers" 2006.
Ein Arbeitsaufenthalt im Kunstverein Röderhof 2004, der mit ausgiebigen Streifzügen durch das östliche Harzvorland verbunden war, lenkte meine Aufmerksamkeit fast unvermeidlich erneut auf Zivilisationsrelikte in der Landschaft. Die Fundstücke lichtete ich diesmal allerdings nicht nur ab, sondern nahm sie mit, um sie als Resultat meines Aufenthalts in der Installation "Wunderkammer oder Biosphäre III" raumgreifend zu präsentieren. Neben den Verfallsspuren, die die Objekte zeigten, war frühjährliches Pflanzenwachstum, das ich am Waldrand in entsorgten Weckgläsern gleich Miniaturgewächshäusern fand, Indiz für die Bewegung des Lebens.
Damit war der Auslöser für die Fortführung meiner Arbeit gefunden: Fortan transformierte ich Fundstücke mittels Elektromotoren und Antriebs-mechanismen in bewegliche Objekte. Dazu gehörten auch verwitterte Spiegel, von denen ich mich durch meine Vorliebe für amorphe Strukturen besonders angezogen fühlte. Der Blick auf eine abblätternde Spiegelschicht bildete nahezu das Äquivalent zu einem sich im Wasser auflösenden fotografischen Abbild.
Eines meiner frühen kinetischen Objekte basierte folgerichtig auf einem ausrangierten konvexen Straßenspiegel mit deutlichen Blessuren, den ich in seinem Rahmen etwas tiefer gesetzt hatte, um den dadurch entstandenen, abgedichteten Zwischenraum mit Wasser auffüllen zu können. Ein auf der Unterseite mittels Drähten angebrachter Elektromotor versetzte das Objekt in eine leichte Vibration, die eine Wellenbewegung des Wassers hervorrief. Durch die teils verwitterte Spiegelschicht drang zusätzlich flackernder Lichtschein. Der Titel drängte sich förmlich auf: "Wasserspiegel" 2004. Eine meiner ersten "Wasser-Spiegel-Licht-Maschinen" - eine mir treffend erscheinende Bezeichnung, die ich einer Dresdner Kunstrezensentin verdanke - war geboren. Dieses Objekt vereinte gewissermaßen den natürlichen Wasserspiegel mit seiner technischen Reproduktion.
In unseren Städten haben wir eine künstliche Welt aus Reflexion und Transparenz erschaffen, in der die Illusion der Weite einer Landschaft aufscheint. Die Anziehungskraft einer spiegelglatten Wasseroberfläche fand ihr Pendant in den uns umgebenden reflektierenden Oberflächen. Hier finde ich Anregungen für das Eigenleben meiner Spiegelobjekte, die mit der Wahrnehmung spielen. Spiegelteile werden mittels Sensoren in Bewegung versetzt, vibrieren, verschieben sich gegeneinander, rotieren, schränken die Perspektive ein oder erweitern sie. In den bespielten Räumen kommt es zur Interaktion zwischen Betrachtern und Objekten. Sie lassen auch an die fast vergessenen Spiegelkabinette und - labyrinthe alter Jahrmärkte denken. Das kurze irritierende Auftauchen und Verschwinden unserer Physiognomie auf einer Spiegelfläche zeigt uns die Flüchtigkeit unseres Da-Seins.

 

FRANK HERRMANN - BIOGRAFIE


1955 in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) geboren
1976-1980 Studium an der TU Dresden mit Abschluß als Dipl.-Ing. für Wasserbau
seit 1976 Beschäftigung mit Zeichnung und Druckgrafik
seit 1980 außerdem mit Fotografie und deren Einbeziehung in die grafischen Arbeiten
1980-1985 Tätigkeit als Buchbindereiarbeiter, Ausstellungsaufbau, u.a.
1985 Erteilung eines Fachgutachtens des Verbandes Bildender Künstler der DDR
1987 Kandidat im VBK der DDR, Dresden
1990/1991 zweimonatiges Stipendium des Sekretariats für gemeinsame Kulturarbeit NRW
1993/1994 Arbeitsstipendium der Stiftung Kulturfonds Berlin
seit 1993 Leitung der Lithografiewerkstatt im Kulturverein riesa efau, Dresden und Lehrtätigkeit an der Phil. Fakultät der TU Dresden
1996 einmonatiges Aufenthaltsstipendium der Stiftung Kulturfonds Berlin im Künstlerhaus Ahrenshoop
1997 Ahrenshooper Kunstpreis des Freundeskreises Kunsthaus Guttenberg (1. Preis)
1997 viermonatiges New-York-Stipendium der Stiftung Kulturfonds Berlin
1998 Bautzener Kunstpreis ( 2. Preisträger)
2000 einmonatiges Aufenthaltsstipendium in Cleveland/ Ohio (USA) mit
anschließender Studienreise in Chihuahua ( Mexiko)
2004 dreimonatiges Aufenthaltsstipendium des Kunstvereins Röderhof e.V.
2008 einmonatiges Aufenthaltsstipendium in der Litografiska verkstaden Tidaholm (Schweden)
2011 Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds Bonn

 

AUSSTELLUNGEN (Auswahl)


1987 Galerie Kreiskulturhaus Treptow, Berlin
1989 Galerie EIGEN+ART, Leipzig
1990 „ Klopfzeichen“, Fotogalerie in der Brotfabrik, Berlin
1992 „ Steady State“, Depandance Specks Hof Galerie Lang, Leipzig
1994 „ Seance“, Galerie Het Hermetisch Zwart, Nijmegen (NL)
1996 „ Liaison“, Galerie Mitte, Dresden
1998 „ PARK“, Leonhardi-Museum, Dresden
1999 Galerie Walter Bischoff, Berlin
Galerie des Kunstvereins Herzattacke (mit Klaus Elle u. Jörg Wähner)
„ Die Erleuchtung der wiederbelebten Reisenden“,
Galerie Budissin, Bautzen (mit Sandor Doro)
2000 „ Verlorene Worte“, Haus des Buches (Literarischer Herbst), Leipzig
2001 „ Mirabilien“, Galerie HAUS 23, Cottbus
„ Seltsame Welt“, Galerie art gluchowe, Glauchau
„ angesichts“, Galerie Pankow, Berlin
2003 „ Persiflage“, Galerie Beyer, Dresden
2004 „Wunderkammer oder Biosphäre III“, Kunstverein Röderhof
„Pendant“, Galerie Adlergasse, Dresden (mit Kurt Buchwald) 2005
2005 „Wunderkammer“ i. d. Ausstellung „mutatis mutandis“,
Palais Großer Garten, Dresden
2006 „face to face“, Galerie DESIGN, Wroclaw (mit Frank Voigt)
„die dritte kammer: fernes leuchten“, Kapitalgalerie, Chemnitz
„Der Stein und das Fett“, Kulturrathaus, Dresden
2007 „Das Öffnen der Briefe“, Alte Feuerwache Loschwitz/Dresden
„Sonderbare Welt“, Sächsische Landesärztekammer, Dresden
2009 „Behauptungen des Spiegels“, Allgemeiner Konsumverein, Braunschweig
„magia naturalis“, k.u.n.s.t.-verein Freital. e.V., Freital
2011 „REFLEXZONEN“, Palais Großer Garten, Dresden (mit Detlef Schweiger)
„Trautes Heim“, Neuer Kunstverein, Regensburg
AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN (Auswahl bis 1998) in :
Cottbus, Dresden, Berlin, Leverkusen, Hamburg, Jena, Leipzig, Neubrandenburg, Bottrop,
Rostock, Köln, Stuttgart, Frankfurt/M., Chemnitz, Bautzen, Königshain,Trier, Groß Leuthen,
Erfurt, Ahrenshoop, Bozen (I), San Francisco (USA), Antwerpen (B), Charleroi (B), San Jose
(USA), Tampere (SF)

 

AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN (Auswahl seit 1998)


1999 „ SPUREN. Ein Jahrebuch“; Elbwiesen, Dresden“
„4. Bautzner Herbstsalon“, PRO FIGURA, Bautzen
„ Licht“, Kasematten, Dresden
2000 „ Foreign Affairs“, Zygote Press, Cleveland (Ohio), USA
„ Cercano/ Lejano“, El Museo de Arte e Historia del INBA,
Cd. Juarez (Chihuahua), Mexico
2001 „ Cercano/ Lejano“, Kunsthalle im art´otel, Dresden
2002 „ Kunst in der Scheune“, Königshain
„ 10 Jahre Galerie des Bautzener Kunstvereins“, Galerie Budissin, Bautzen
„ 11 Dresdner Künstler“, Kulturzentrum TUFA, Trier
„ IX. Rohkunstbau“, Wasserschloß Groß Leuthen, Spreewald
2003 „ Hochwasser“, Kulturhof zum Güldenen Krönbacken, Erfurt
2004 „ Dresden- Ostrava 4:4“, Grube Michal, Ostrava, CZ
„ Morphonic Lab III“, Palais im Großen Garten, Dresden
„ Bewegung/ Utopie“, ALTANA Galerie der TU Dresden, Dresden
2006 „FOREIGN AFFAIRS“, Acht Jahre Künstleraustausch Dresden-Ohio/USA,
Ständehaus, Dresden
„Mensch! Fotografien aus Dresdner Sammlungen“, Kupferstichkabinett,
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
„Dichter Verkehr“, Galerie 8, Berlin
„Ostrava-Dresden fifty-fifty“, Neuer Sächsischer Kunstverein, Dresden
2007 „ Künstliche Welten“, Neuer Sächsischer Kunstverein, Dresden
„ Quo Vadis“, Wasserschloß Alden Biesen, Belgien
„ Zu Fünft“, Käthe Kollwitz Haus, Moritzburg
„ Hot Destination Marginal Destiny IV.“ , Motorenhalle-Projektzentrum für
zeitgenössische Kunst, Dresden
„ Hell“, Weltecho -Galerie des oscar e.v., Chemnitz
2008 „ ESS – Ma(h)le“, Studio im Hochhaus, Berlin
„ Symposium Landart“, Burgberg, Dresden-Loschwitz
„ ( Märkischer ) Sand“, Kunstmuseum Dieselkraftwerk, Cottbus
2009 „Pro Patria“, Voormalige Dominicuskerk, Antwerpen
„OHNE UNS“, Prager Spitze, Dresden
2010 „Von der Linie in der Skulptur“, Neues Kunsthaus Ahrenshoop
2010 „ Kopf an Kopf “, Galerie Mitte, Dresden
2011 „OSTRALE`011“, Zentrum für zeitgenössische Kunst, Dresden
„ LABIRYNT“, Festival Neuer Kunst, Slubice / Frankfurt/O.
„ COLORADO“, Galerie Modul 3, Dresden
2012 „ PHÄNOMEN WOHLSTAND“, Motorenhalle-Projektzentrum für
zeitgenössische Kunst, Dresden
„OBEN Kunst und Raum“, Albrechtsburg Meißen