Kunstverein Meissen e.V., Ausstellungen, Vernissage, Künstler, Meißen, Jazz im Keller

20 Jahre Kunstverein Meissen 1992 - 2012

Ausstellung


Ekkehard Tischendorf

Tagundnachtgleiche

27. März bis 7. Mai 2011


Vernissage am 27. März 2011, um 11:00 Uhr im Kunstverein Meißen
Laudator: Ralf Seifert, Referent Sächsisches Staatsministerium für Kultus und Sport


Tagundnachtgleiche

Ekkehard Tischendorf bekennt sich innerhalb seiner Malerei zu realistischen Bildmotiven und führt in seiner Bildsprache figurative und abstrakte Elemente kompositorisch zu einem spannenden Dialog zusammen. Hierbei treten in den klein- wie großformatigen Arbeiten die Figur und der Bildraum in eine geordnete Wechselbeziehung zur Wirklichkeit. Figurativer Realismus wird umgeben von einer verzerrten Wirklichkeit des Bildraumes, der gegenstandslos und abstrakt erscheint. Seine Motive pendeln zwischen unmittelbarer Drastik und einer intensiven Farbästhetik, die zwischen neonartig gleißenden Farbpigmenten und Grisaille changieren.

Diese Bilddarstellungen rekrutieren aus seiner alltäglichen Wahrnehmung: der Mensch, seine intime Umgebung, spezifische Landschaften und sozialer wie urbaner Raum werden bildhaft thematisiert. In der einzelnen Bildorganisation ergibt sich daraus ein Situations- und Handlungsbild, dass in seiner Deutung stark durch die Figur als Akteur gelenkt wird: Körperhaltung, Bewegung, Blick und Gesichtsausdruck psychologisieren die Bildaussage. Figurationen verweisen dabei auf klassisch-typisierte Genres kunsthistorischer- und kunstgeschichtlicher menschlicher Darstellungsmuster.

Der Ausstellungstitel Tagundnachtgleiche impliziert damit auch die Frage nach seiner leuchtenden Maltechnik und führt uns darüber hinaus auf die Spur des verwischten Antlitzes der Protagonisten, dessen natürliche Gewissheit uns nicht mehr sakrosankt und unantastbar scheint und damit eine ganz aktuelle Position bezieht.
Der bereits in früheren Werken entwickelte Formwillen, der sich in einem malerischen Samplingverfahren zwischen den Sphären des Profunden und Profanen bewegt, ist in seinen aktuellen Bildern verstärkt worden und die dem Bild innewohnende ästhetische Energie tritt dem Betrachter mit voller Wucht entgegen.

Webseite: www.ekkehard-tischendorf.de


Biografie

Lebt und arbeitet in Dresden
2007Aufenthalt in Düsseldorf
2003Diplom
Aufbausemester für Lithographie bei Prof. Rolf Münzner
1998 - 2003Studium der Malerei und Grafik
an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig
Fachklasse Malerei bei Prof. Arno Rink
1995 - 1998tätig im Bereich Restaurierung für Wandmalerei und historische Architekturfarbigkeit
1976geboren in Dresden

Auszeichnungen

2010Kulturförderung der Landeshauptstadt Dresden 2010
für Endlich beginnt Unendlichkeit
2008Schwalenberg – Stipendium des Landesverbandes Lippe
2004Werkstatt Plettenberg – Stipendium


Ausstellungen

2009

“Endlich beginnt Unendlichkeit”, LEVY Galerie, Hamburg (E, K)
"Das Bildnis des Gedächtnisses", Gebäudeensemble Deutsche Werkstätten Hellerau, Dresden (E)
"Die weiße Herde", Oberlausitzer Kunstverein e.V. Galerie Kunstlade, Zittau (E)
"Plan C", Galerie Quartier, Leipzig (E)
"Political Incorrectness", Museum Pachen (G)

2008

"Der Leichtsinn unsterblich zu sein", Galerie Rätus Casty, Davos, Schweiz (E)
"Political Incorrectness" Städtische Galerie Speyer (G)
Beteiligung an der Ostrale 08, Dresden (G)
"Die Vermessung der Tube", Galerie Terminus, München (E)
"Big Player", Galerie QUARTIER, Leipzig (E)
ART Cologne 42, Köln, LEVY Galerie

2007

Schlag, Ekkehard Tischendorf, Galerie QUARTIER, Leipzig
ART Paris, LEVY Galerie
Raumwunder, Galerie Quartier, Leipzig (G)

2006

ART Paris, LEVY Galerie, Hamburg
Mediale Signale, LEVY 1st. VIEW, Hamburg (E)
"Purple Rain", Galerie Quartier, Leipzig
"Emotionen", Galerie Lichtpunkt, München
modern06, Zeitgenössiche Tendenzen, Kunstmesse und Ausstellung, Residenz München

2005 - 2011

Marilyn Monroe – Life as a Legend, Museumswanderausstellung USA & Kanada (G, K)

2005

Ausblick ins Gestern, Grosse Jubiläumsausstellung -
20 Jahre Plettenberg Stipendium, Plettenberg, NRW
Grosse Sächsische Kunstausstellung, Leipzig
Grosse Kunstausstellung Halle (Saale)
Kunsthalle Villa Kobe Halle (Saale)

2004

JUGENDPRÄZISION, Werkstatt Plettenberg, Plettenberg (E, K)
Große Jahresausstellung der Werkstatt Plettenberg – Stipendium 2004, Plettenberg, NRW
Städtische Hauptbibliothek Dresden, World Trade Center Dresden (E)
Drei junge Leipziger Galerie Jürgensen, Oetjendorf, Hamburg

2003

Diplomausstellung, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig (E)



G = Gruppenausstellung / E = Einzelausstellung / K = Katalog


Laudatio

Ralf Seifert, Referent Sächsisches Staatsministerium für Kultus und Sport

"Tagundnachtgleiche - Werke von Ekkehard Tischendorf im Meißner Kunstverein"

Öl. Eitempera. Acryl. Leuchtstarke, farbintensive Malmittel. Eyecatcher. Seelentorpedos. Aufmerksamkeitserzeuger. Licht und Kraft und Freude. Der alte Raum und viel MEHR. Was ist das MEHR in dieser Exposition? Zwischen den Werken knistert es. Hören Sie genau hin! Stimmen. Atome. Geschichten. Sehen Sie genau hin! Gesichter. Attribute. Verstellungen. Denken Sie sich hinein! Radon. Helium. Kokon. Und beginnen Sie zu fühlen…
Die gleichmäßige Verteilung der ölhaltigen und wasserhaltigen Teile in der Mixtur wird als „temperierte Mischung“ bezeichnet, daher die Benennung des Malmittels Eitempera. Farben sind Brücken für Inhalte, Formen für Verhältnisse. Nicht im Sinne von Prioritäten, eher von Interaktionen.

Große Formate erwarten die Besuchenden. Viele Porträts. Von Frauen. Eine gefühlte Mischung aus Walhalla und Plakatsammlung. Schönheiten sind und Berühmtheiten auch. Aber eben nicht glatt. Nicht unkritisch. Und schon gar nicht in Wiedergabefunktion. Sondern als narratives Transportmittel. Für Botschaften. Für Berichte. Für De-Konstruktionen. Für Anachronismen. Die bewusste Irritation des nach Harmonie strebenden Seh-Nerv-Geistes. Die Rüttelung der Wahrnehmungstektonik. Die Nutzung der als ALLGEMEIN SCHÖN akzeptierten Bildimpulse bei / durch / mit simultaner Brechung dieser.

Die Tagundnachtgleichen markieren den Beginn des astronomischen Frühlings bzw. des astronomischen Herbstes. Die Sonne steht dann auf dem Himmelsäquator, also auch senkrecht über dem Erdäquator. In diesem Augenblick sind überall auf der Erde Tag und Nacht exakt gleich lang. Eine Gerechtigkeitsutopie? Ein Link zum egalitären Weltenverständnis? Oder einfach nur die ständig wiederkehrende Rhythmisierung der naturgegebenen Abläufe?
Hedwig Eva Maria Kiesler starb im Jahre 2000 in Florida. Hedy Lamarr war eine österreichische Filmschauspielerin mit jüdischen Eltern. Sie war schön. Berühmt. Sechs mal verheiratet. Sie war auch noch klug. Sie erfand zusammen mit dem Komponisten George Antheil das Frequenzsprungverfahren, das heute in der Mobilfunktechnik, zum Beispiel beim Bluetooth, eine wichtige Rolle spielt. Frau Lamarr führt in den malerischen Reigen ein, übergibt dem Pause machenden Wächter den Stab, der an Größe fast nicht überboten werden kann. Brennendes Rot im Hintergrund, Risse und Fugen, dunkle Gloriole, Haut, Knochen, Gestapo-Napoleon-Roter-Stern-Bemützung, Tattoo am ausgemergelten Arm, Blutlachenhaare im Fluss. Eine beklemmende Situation. Alarmzeichen im Hinterkopf. Der Bewachende verschreckt. Und zeigt in den axialsymmetrisch anmutenden Ausstellungsteil. Die Gegenüber, Kokon und Perücke sowie Remission I und Remission II, flankieren, dialogisieren und verweisen. Blicke führen aus den Formaten, verlieren sich in nicht definierten Sphären, kommunizieren Sehnsüchte. Entrückung.

Ekkehard Tischendorf wurde 1976 in Dresden geboren. Diplomierte 2003 an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Lebt und arbeitet in Dresden. Noch. Die Koffer für Wien sind gepackt. Die Liebe und die Kunst sind starke Triebfedern. Beide Kräfte ziehen. Fordern. Und bewegen. Die Reise endet nie.

Die uneingeschränkte Mitte des Raumes ist ein Riese. Groß. Semantisch und energetisch geladen. In den rundlich konvexen Formen, die der inszenierten Raumsymmetrie visuell zuarbeiten, passiert so viel, dass die Sinnesorgane die Luft anhalten. Eine Explosion als Motiv zur Exploration. Das leuchtende Baumskelett. Aleatorische Splitter im apokalyptischen Tanze mit der Zeitgeschichte, bedrückender Gegenwartsbezug. Nachrichtenfeuer. Kopfkino. Betroffenheit. Ablenkung. Ausblendung.

Zitat: „Die Bilddarstellungen rekrutieren aus seiner alltäglichen Wahrnehmung: der Mensch, seine intime Umgebung, spezifische Landschaften und sozialer wie urbaner Raum werden bildhaft thematisiert. In der einzelnen Bildorganisation ergibt sich daraus ein Situations- und Handlungsbild, dass in seiner Deutung stark durch die Figur als Akteur gelenkt wird: Körperhaltung, Bewegung, Blick und Gesichtsausdruck psychologisieren die Bildaussage.“
Tropicana in der Ecke. Am Fenster. Im natürlichen Licht. Abstrahierte Verwischung. Und wieder mit Kopfputz. Klein im Ausmaß und verspielt in der Erscheinung. Das Gesicht entzieht sich der Identifikation. Und wird zur Spiegelfläche für den Betrachtenden. Zum Traumkonstrukt für die Projektionen unseres Bildergedächtnisses.

Projizieren Sie. Entwickeln Sie. Vertiefen Sie. Setzen Sie sich der Strahlkraft und Energie aus. Nehmen Sie teil am Rausch. Und setzen Sie auf sich. Dann werden Sie gewinnen. Nicht zuletzt durch soziale, künstlerische, natürliche Akzente Ihrer Umgebung, die Sie auf neue Wege bringen können. Die Ausstellung „Tagundnachtgleiche“ setzt nicht auf Affekte, sondern auf Inspiration. Sie appelliert nicht an den Intellekt, sondern setzt auf Ihre Intuition. Nehmen Sie diese Chance wahr…

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.


Bilder der Ausstellung

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