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Ausstellung

 


Antje Krohn - aufm Sprung

Malerei und Siebdruck

Ausstellung im Kunstverein Meißen e. V.
28. März bis 30. April 2010

Der Kunstverein lädt Sie und Ihre Freunde herzlich zur Vernissage am
Sonntag, 28. März 2010.

Die Vernissage beginnt 11.00 Uhr im Bennohaus Meißen, Markt 9, 1. Etage.

Erläuternde Worte zur Ausstellung spricht Marit Kunis-Michel.

 

Antje Krohn - aufm Sprung

Antje Krohn ist sowohl Malerin als auch Grafikerin. Für ihre Arbeiten nutzt sie ebenfalls auch Fotografien. Manche Fotografien dienen ihr als eine Art fotografische Skizze bei der Motivsuche für ihre Bilder. In der Malerei und in den Siebdrucken dominiert das Figurative, die Arbeiten haben narrativen Charakter. Es besteht der Wunsch eine neue Sprache jenseits der Konventionen zu finden. Ihr Interesse gilt dabei dem Menschen in besonderen, scheinbar unwirklichen Situationen, die nur mit Hilfe der Fotografie festgehalten werden können. Wie in der Sportfotografie zu beobachten ist: Menschen beim Sprung oder im Schweben, scheinbar losgelöst von der Erde, in einer Art Leichtigkeit des Seins.

In den malerischen Arbeiten auf alten gemusterten Stoffresten, erzählen die Stoffe ihre Geschichte und dienen so der Bildkomposition. Der gebrauchte und nicht mehr neue Charakter der Stoffe soll zum buchstäblich Tragen kommen.

In den Siebdrucken spielt fast konträr zu den Ölbildern die prägnante Farbigkeit eine sehr wichtige Rolle bei der Bildaussage. Figuren im Raum, Räume und Raumsituationen zeigen eine Art Momentaufnahme aus dem Alltag. Dabei werden reale Gegenstände oder menschliche Figuren durch ihre Darstellungsweise bis zur Absurdität verfremdet.

 

Vita Antja Krohn

2008 Diplom Kunsttherapie (HfBK Dresden)

2005 Geburt der Tochter Martha

2002 Geburt der Tochter Hannah

2002 Diplom Malerei/Grafik (HfBK Dresden)

2001 Masterstudium in London (DAAD Stipendium)

1996-2002 Studium der Malerei und Grafik an der HfBK in Dresden bei Prof. Adamski

1994-1995 Jahresaufenthalt in Vancouver/Kanada

1993-1994 Studium der Kunstgeschichte an der LMU in München

1992 Abitur

Geboren 1973 in München

 

Stipendien

2000 DAAD – Jahresstipendium London: MA of Art

1999 Erasmus Stipendium

 

Ausstellungen

2009 Gemeinschaftsausstellung in der Galerie Sybille Nütt in Dresden

2003 Gemeinschaftsausstellung in der Festung Königstein: "AND NOW“ Meisterschüler und Absolventen der HfBK stellen aus

2002 Gruppenausstellung LICHT und KUNST in Stuttgart

2001 DAAD Stipendiatenausstellung in London

1999 Gewinnerin beim ART CARD Wettbewerb der Post AG

1999 Teilnahme an der Gemeinschaftsausstellung „subjects“ in der HfBK Dresden

1999 Ausstellung in der Kümmelschänke in Dresden

1998 TATORT Badewanne- Ausstellung in der Deutschen Ärzteversicherungsgesellschaft in Chemnitz (Sybille Nütt)

 

Mitglied im Sächsischen Künstlerbund und im BBK

Künstlerin der Galerie Sybille Nütt in Dresden

 

 

Laudatio zur Vernissage

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste, Besucher des Kunstvereins Meißen!

Meine Freundin Antje Krohn hat mich vor einiger Zeit gebeten diese Laudatio zu halten. Ich bin keine Kunstsachverständigerin, keine Kritikerin! Ja ich bin wie auf der Einladung vermerkt Kommunikationswissenschaftlerin, aber eigentlich ist meine Qualifikation hier und heute die Laudatio zu halten, die Freundin der Künstlerin zu sein. Ich fühle mich geehrt und gleichzeitig bin ich nervös.

Nun denn dachte ich mir. So schwer kann das ja nicht sein. Und schon war ich mitten in der Kunst. Der Kunst eine Laudatio auf Antje Krohn und ihre Ausstellung „Aufm Sprung“ hier in Meißen zu verfassen. Bekanntlich ist es nicht so einfach mit der Kunst, dem Können. „Gekonnt hätte ich schon, aber gedurft ham se mich nicht gelassen“ hat einmal ein berühmter Fußballer (Lothar Matthäus) gesagt. Die Kunst des Fußballs kommt wie man sieht mit sehr einfachen Sätzen aus. Die Kunst der Kunstkritik macht es sich da nicht ganz so einfach. So wage ich den Sprung und begleite Sie in die künstlerische Welt Antje Krohns.

Was heißt es, aufm Sprung zu sein? Können wir folgen oder müssen wir Tempo aufnehmen?

Der Begriff Sprung leitet in verschiedenste philosophische, religiöse und psychologische Interpretationen, wo mal der Mut zum Sprung aufgenommen und als Beweis der menschlichen Freiheit gesehen wird, und dann wieder als verantwortungsloses Aufgeben aller Bindungen. Gerade haben wir eine Zeitstunde übersprungen, morgen springen wir mit mehr oder weniger Elan in unseren wochentäglichen Alltag. Dann wünschen wir uns besser einen guten Sprung als einen schlechten Flug. Ab und an helfen wir jemand auf die Sprünge oder kommen selbigen auf den Sprung.

Lassen wir diese wilden Gedankensprünge hinter uns und landen direkt in der Vergangenheit. Antje Krohn, geboren im Frühling des Jahres 1973 in München. Aufgewachsen im Herzen dieser wunderschönen Kunst und Kulturstadt begann sie nach dem Abitur ein Studium der Kunstgeschichte. Ihr Sprung über den großen Teich nach Kanada Mitte der 90er Jahre brachte so viel Energie, Ideen und Lust mit, dass sie 1996 das Studium der Malerei und Grafik an der HfBK Dresden bei Prof. Adamski begann. Arbeiten des Masterstudiums in London, gegenüber dem Aufenthalt in Kanada eher ein kleiner Hüpfer über den Kanal, waren bereits in der Galerie Sybille Nütt in Dresden zu sehen.

Ab 2002 durfte ich Antjes Sprünge zwischen Mutter sein und Studium der Kunsttherapie begleiten.

So manchen schönen Tag haben wir gemeinsam mit Blick auf die Kulisse von Dresden verbracht. Sind mit unseren Kindern an und in der Elbe gewesen, in Pfützen gesprungen und haben ab und an den Kontakt zum Boden verloren.

Wie schön ist es auch mal loszulassen und anzuhalten. Mitten im Sprung die Leichtigkeit des Seins zu spüren.

Und ja Antje, ich finde der Song „beautiful day“ der Band U2 passt gut zu deinem „Beautiful Day“:

 

Da heißt es in der zweiten Strophe:

„Du bist unterwegs, aber hast kein Ziel vor den Augen

Du bist verschlungen, in den Gedanken in ihrer Vorstellung

Du liebst diese Stadt, auch wenn sie nicht ehrlich zu sein scheint

Du warst überall und alles war über dir.

Es ist ein traumhafter Tag. Lass ihn nicht verstreichen“


Die Bilder der Künstlerin sind prägnant farbig. Mit ihrer Welt in Rot, Grün und Blau und ihrer figurativen Darstellung ermöglicht uns Antje Krohn leicht in eines ihrer Bilder zu springen.

Die hohen Ansprüche, die Antje an sich selbst und ihre Ölbilder wie auch Siebdrucke stellt, sind nicht weniger hoch wie die Ansprüche an das Bewegungsverhalten von Turmspringerinnen. Jeder Sprung fordert Konzentration, die Auseinandersetzung mit den Eigenschaften der Absprungstelle, der widerstandsfreien Luft und dem Wasser. Zusätzlich soll der Körper in der Flugphase gestreckt, gehechtet oder gehockt werden. Aufm Sprung zu sein bedeutet hier äußerst fein abgestimmt und kontrolliert koordinieren, sich jederzeit orientieren und seinen Körper in jeder Situation beherrschen zu können. Diese Eleganz, die Ästhetik und Präzision finden wir wieder. Ein Turmspringer schießt bei einem Sprung aus 10 Metern Höhe mit knapp 50 km/h ins Wasser . Innerhalb weniger Zehntelsekunden reduziert sich seine Geschwindigkeit beim Eintauchen ins Wasser auf Null. Diese Schnelligkeit wird durch die eingefrorene Momentaufnahme gebrochen. Wir bleiben im Flug, im schwerelosen Schweben, interessieren uns nicht für Drehungen und schon gar nicht für die gelungene Eintauchphase.

Formen und Ereignisse, die in der scheinbaren Schwerelosigkeit entstehen, haben in diesem Umfeld eine radikal andere Wirkung. Wir finden Körper, die sich von der Schwerkraft befreit haben, die schweben. Die faszinierenden Bilder, die an den alten mythischen Menschheitstraum vom Fliegen gemahnen, könnten direkt aus der Fotodokumentation von Turmspringerinnen stammen. In allen hier gezeigten Ölbildern steht die Metapher des Raums und des Fliegens im Vordergrund.

Antje Krohn fängt diese realen Momente ein und konstruiert sie neu auf alten Stoffen. Es ist eine Art malerische Fotografie. Im Bild entstehen durch die Komposition der Farben ein ganz neuer Zusammenhang und eine Stimmung, die es im realen Leben in dieser Form nicht gibt. Suggeriert das Blau uns Wasser, Himmel, Luft und Weite, so durchbricht der Stoff diesen Gedanken. Auch die Stoffe erzählen ihre Geschichte und dienen der Bildkomposition. Der gebrauchte und nicht mehr neue Charakter der Stoffe kommt zum Tragen und gibt Halt im Schweben.

Manchmal gelingt es aber auch, mit Hilfe der Fotografie skurrile oder einzigartige und fantastische Situationen einzufrieren. Figuren im Raum, Räume und Raumsituationen zeigen diese eine Momentaufnahme aus dem Alltag. Verfremdung im Siebdruck kann scheinbar hässliche Dinge in ein schönes attraktives Licht tauchen. Das Betrachten macht Spaß und regt an zu fragen: nach fremd oder bekannt? Wahr oder falsch?

Seien Sie nicht „aufm Sprung“ zum nächsten Ereignis. Halten Sie mit uns an und genießen sie den Moment hier im Kunstverein Meißen. Was sie von mir zu Antje Krohn und ihren hier gezeigten Werken nicht erfahren haben und doch so gern wissen wollen fragen sie sie bitte direkt. Ich ende im Moment und in Anlehnung an den Titel von U2:

Alles was ich nicht habe, brauche ich jetzt nicht

Was ich nicht weiß, wird mir schon irgendwie begegnen

Alles was du momentan nicht hast, brauchst du nicht

Und wünsche uns einen beautiful day, einen tollen Tag.

 

Marit Kunis Michel