Kunstverein Meissen e.V., Ausstellungen, Vernissage, Künstler, Meißen, Jazz im Keller


Ausstellung

Das Zuendblaettchen

DAS ZÜNDBLÄTTCHEN

5 Jahre Überelbsche Blätter für Kunst und Literatur

Grafik – Lyrik – Prosa

1. Februar 2009 bis 14. März 2009

Vernissage mit Lesung am Sonntag, 1. Februar 2009, 11.00 Uhr

Im Jahr 2009 erscheint „DAS ZÜNDBLÄTTCHEN – Überelbsche Blätter für Kunst und Literatur“ seit fünf Jahren, das sind 30 Hefte mit 30 bildenden Künstler/innen und 30 Autor/innen aus Meißen, Sachsen, Deutschland und der Welt.

Dies ist Anlass für eine Reihe von gemeinsamen Initiativen der Initiatoren, der bildenden Künstler/innen und Autor/innen des Zündblättchen in Zusammenarbeit mit Freunden und Förderern von Literatur und bildender Kunst der Gegenwart.

In der Ausstellung im Kunstverein Meißen sind ausgewählte Originale der im Zündblättchen abgebildeten Grafiken und Zeichnungen von allen 30 beteiligten Künstler/innen zu sehen. Gedichte oder Textpassagen von allen 30 beteiligten Autor/innen können parallel dazu gelesen werden.

Eine Reihe von Lesungen begleiten die Ausstellung. Es werden Texte aus dem Zündblättchen und andere Texte von einigen der im Zündblättchen vertretenen Autor zu hören sein.


Bildende Kunst von:

Wolfgang E. Herbst, Olaf Fieber, Osmar Osten, Ulrich Eissner, Barbara Toch, Eberhard Dietzsch, Else Gold, Bärbel Voigt, FEI SU SCHIE, Dieter Anhuth, Christian Lüttich, Kreuzmandel, Olaf Stoy, Irmgard Kramer, Stefan Voigt, Olaf Klepzig, Karen Roßki, Dieter Pütz, Raphaël Kleweta, Ion Isaila, Wolfgang Schwarzentrub, Matthias Jackisch, Franziska Kunath, Sylvia Fenk, Kerstin Franke-Gneuß, Erik Buchholz

Texte von:

Olaf Stoy, Rolfrafael Schröer, Michael Arenz, Horst Kümhof, Ulrike Tillich, Hans Schütz, Peter Gruber, Kerstin Rose Schlageter, Annerose Kirchner, Dr. Treznok, Erich Sobeslavsky, Andreas Eichler, Wojciech Izaak Strugała, Peter Gehrisch, Manfred Keitel, Günter Abramowski, Florian Günther, Nikolaus Scheibner, Axel Aschenberg, BEugen Haas, Ille Chamier, Wolfram Liebing, Ilse Kilic, Wolfgang E. Herbst, Andreas Hegewald, Dirk Bierbaß, Wilhelm Bartsch, Carla Schwiegk, Ulrike Gramann, Fernando Zamora, Oskar Fahr, Heinz Weißflog

„DAS ZÜNDBLÄTTCHEN – Überelbsche Blätter für Kunst und Literatur“ – sind Hefte für bildende Kunst und Literatur der Gegenwart sächsischer, nationaler und ausländischer Künstler/innen und Autor/innen.

Neben der Verbindung von Literatur und bildender Kunst ist ein wesentliches Anliegen der Initiatoren, die Verbindung von Regionalem mit Überregionalem.

DAS ZÜNDBLÄTTCHEN ist formal bewusst lapidar, in schwarz/weiß, auf Umweltpapier gedruckt, in einem Format von A6, mit 16 Seiten Umfang. Die Gestalt des Heftchens entspricht der Konzentration auf die Inhalte, auf die Worte und Zeichen.

Der Titel - DAS ZÜNDBLÄTTCHEN steht für Idee, Initial, für Achtung, für Knall, für Fünkchen, für Spiel. Das Blättchen impliziert eine kleine Form, kein Spektakel. Im rauschenden Buntblätterwald wächst „DAS ZÜNDLÄTTCHEN“ eher am Rande, im Unterholz, im Schatten der großen Blätter.

Ein feines Netz von Verbindungen knüpft sich langsam. Diese reichen von Meißen nach Radebeul, Rabenau, Dresden, Chemnitz, Gera, Altmannsgrün, Leipzig, Niederfrohna, Wolkenstein, Berlin, Saarbrücken, Düsseldorf, Bochum, Münster, München, Tübingen, Bad Säckingen, Mainz, Dortmund, Wien (A), Lwówek Śląski (PL), Belevez du Razes (Frankreich), Grossdittmannsdorf, Soest, Mittweida, Burkhardtsgrün, Marbach, Stuttgart, Johanngeorgenstadt, Zons, Golberode, Halle ...


Vernissage mit Lesung

am Sonntag, 1. Februar 2009, 11.00 Uhr

mit Wolfgang E. Herbst (Maler und Autor), Olaf Stoy (Plastiker und Autor) und Erich Sobeslavsky (Autor)

Kunstgespräch und Lesung

am Freitag, 13. Februar 2009, 18.00 Uhr

mit Bärbel Voigt (Grafikerin), Heinz Weißflog (Autor) und Else Gold (Plastikerin)

Eintritt: 2 Euro

Finissage mit Lesung

Samstag, 14. März 2009, 17.00 Uhr

mit Ulrike Gramann (Autorin), Peter Gehrisch (Autor und Übersetzer) und Wolfgang E. Herbst

Dankesrede von Dr. Andreas Eichler an die Herausgeber

Sehr geehrte Damen und Herren,
wenn ein Mensch fünf Jahre alt wird, dann ist er noch lange nicht erwachsen, will es aber eigentlich schon lange sein.
Eine Kultur-Zeitschrift ist dagegen vom ersten Tag ihres Erscheinens an »erwachsen«, will sich aber die kindliche Offenheit bewahren.
Unser Geburtstagskind, das »Zündblättchen«, mit dem Untertitel »Überelbsche Blätter für Kunst und Literatur«, erblickte im Winter 2004 das Licht der Welt, in einer ehemaligen Fabrik, in der einst Zündschnüre mit genau bemessener Brenndauer hergestellt wurden.
Im Impressum der Nr. 1 wurde das Copyright der Künstlervereinigung DREIZEICHEN zugeordnet, darunter werden der Viktoria Verlag von Viktoria Hennig, die Werkstatt für Gestalt und Gestaltung von Steffi Leonhardt und die Herbst-Presse im Goldgrund von Wolfgang E. Herbst genannt.
Die Nr. 1 vereinte zwei Texte von Olaf Stoy mit Zeichnungen von Wolfgang Herbst.
Dieser Verbindung von Literatur und bildender Kunst blieb das Zündblättchen seither verpflichtet.
Mit Nr. 7 schied der Viktoria-Verlag als Mitherausgeber aus und die Künstlervereinigung Dreizeichen (Else Gold und Wolfgang E. Herbst) zeichnet als Herausgeber verantwortlich.
In den 30 bisher erschienen Ausgaben sind Texte von 7 Autorinnen und 23 Autoren zu lesen, sowie Arbeiten von 10 bildenden Künstlerinnen und 15 Künstlern zu sehen.
Das Zündblättchen vereint Künstlerinnen, Künstler, Autorinnen und Autoren aus Sachsen, Thüringen, Brandenburg und ganz Deutschland, aus Polen, Österreich, Frankreich und Spanien.
Die Edition Dreieichen war mit dem Zündblättchen in den letzten Jahren auf zahlreichen Buchmessen, Kunstbuchmessen und Grafikmärkten vertreten.
Freunde und Förderer aus ganz Deutschland unterstützen das bemerkenswerte Projekt.
Die Begründer des Projektes hatten mit der Wahl des Namens Zündblättchen wahrscheinlich eine geistige »Zündung«, einen Blitz des Gedankens vor Augen. Diese Intentionen erfüllt das Zündblättchen ohne Zweifel.
Darüber hinaus überschreitet das Zündblättchen aber systematisch Grenzen aller Art und bringt Menschen unterschiedlichster Auffassungen zusammen. Diese »überelbsche« Wirkung der kleinen Zeitschrift aus Meißen kann man nicht hoch genug schätzen.
Zudem stellt die Zeitschrift einen der wenigen heutigen Freiräume für das Sagen des Unsagbaren, für das Sichtbarmachen des Unsichtbaren, d.h. für Poesie dar.
Für diese ambitionierte Zielsetzung zahlen die Herausgeber jedoch einen hohen Preis: nur 30 Interessierte, darunter zwei Literaturinstitute, gehören bisher zu den Abonnenten des Zündblättchens.

Man könnte diesen eklatanten Widerspruch damit erklären, dass in unserer Zeit Literatur, Kunst und Geist keine große Rolle spielen.
Ein Blick in eine beliebige Tageszeitung bestätigt diese Vermutung.
  Diese Situation verleitet manche Künstler dazu, die Kunst gegen den Markt mit den Mitteln des Marktes glauben verteidigen zu müssen. Damit wird aber Kunst auf Kunstmarkt reduziert.
Mit einem abgewandelten Wort von Meister Eckhart könnte man sagen, dass wir diesen Kollegen wünschen, dass sie in den Kunst-Himmel kommen. Wir wissen aber, dass sie es nicht schaffen werden, denn sie sind Esel.
Ende der 1980er Jahre versuchten einige Autoren unter Verweis auf Michel Foucault das Leben selbst als Kunst, als Lebenskunst zu propagieren.
Zugegeben, das klang gut. Aber dieses Stichwort war wohl von Anfang eher für das gute Gewissen des braven Konsumenten gedacht.
Dem Künstler, der mit elementaren Widrigkeiten des Alltages zu kämpfen hat, nützte dieses Schlagwort wenig.
Die wichtigste Bedingungen für Kunst ist, wie der im letzten Jahr verstorbene Galerist Michel Hebecker aus Weimar einmal sagte, die Unabhängigkeit des Künstlers. Wie der Künstler diese erreiche, ob mit »Wasser und Brot« oder mit Hilfe eines Mäzens, sei gleichgültig.
Mitunter glauben »Besserverdienende«, dass echte Kunst nur entstehen könne, wenn der Künstler tatsächlich nur Wasser und Brot zur Verfügung habe. Doch so wichtig ein einfaches Leben für unseren inneren Frieden ist, so wenig garantiert äußerliche Armut schon ein nachhaltiges Werk.
Gerade diesen fehlenden Automatismus versuchte Meister Eckhart um 1300 Laienmystikerinnen klar zu machen, die in äußerlicher Armut und körperlichen Kasteiungen eine Alternative zum Leben in der Oberschicht sahen. Eckharts zentrales Argument lautete: der Weg zu Gott ist ein geistiger.
Dieser Satz hätte auch vom »Vater« unseres Zündblättchens stammen können, d.h. ich bin mir sicher, ihn von ihm gehört zu haben. Denn dieser Gedanke durchzieht die 30 bisher erschienenen Ausgaben. Dieser Satz erklärt die Ernsthaftigkeit, den Witz und die Tiefe, die dem Publikum offeriert werden.
Beim Nachdenken über den »Vater« des Zündblättchens dauerte es nicht lange, und ich hatte einen berühmten fahrenden Ritter aus La Mancha vor Augen. Ich sah, wie jener Ritter seine Rüstung aus Leder anlegte, sein treues Pferd »Mazda« sattelte, und gegen Meißen ritt. In alten Büchern hatte er wohl gelesen, dass hier einst die Romantiker zusammenkamen. Vielleicht suchte er den Geist der Romantik?
In den Augen des normalen Publikums ist das Urteil über jenen Ritter gefällt. Aber kein anderer als Ernst Bloch verwies darauf, dass bei der Lektüre dieses Romans von 1400 Seiten, die Komik bald einer Nachdenklichkeit weicht. Aber man muss das Buch wenigstens lesen.
Selbst Menschen, die nie eine Zeile des Romans gelesen haben, kennen des Ritters Kampf gegen Windmühlen. Für Don Quijote waren es aber keine Windmühlen, sondern Riesen. Er sah eben Riesen.
Wir haben in Büchern schon mehrfach von Riesen gelesen, aber noch nie einen gesehen. Vermutlich waren in der Wirklichkeit immer nur Windmühlen zu sehen. Allein die Riesen bleiben in der Literatur. Das ist der Punkt.
Es sei daran erinnert, dass der Pfarrer in der enormen Literaturkenntnis und der umfangreichen Bibliothek des Ritters die Wurzel allen Übels sah. Es wird vielleicht deutlich, dass Don Quijote auszog, um für die Poesie zu streiten. Doch dieser Kampf ist mit Gefahren verbunden. Man wird aus dem Sattel geworfen, die Rüstung erhält Beulen und es werden einem Beschädigungen zugefügt.
Ist nicht unser Dasein immer wieder von der Gefahr des Scheiterns bedroht? Gewinnen wir aber nicht mit bestandenen Gefahren unsere Erfahrungen? Ist nicht menschliche Größe eher im Scheitern darstellbar?
So steht Don Quijote nach jedem Sturz wieder auf und sucht das nächste Abenteuer. Am Ende variiert der Autor des Ritterromanes, der uns noch weiß machen will, der eigentliche Autor sein ein arabischer Geschichtenerzähler, wiederholt ein Bibel-Zitat: Don Quijote zog seine Straße.
Es ist sicher kein Zufall, dass Anton Reiser ebenfalls mehrfach diesen Satz hervorbringt.
Genau das ist es auch, was mich an den Zündblättchen begeistert: Möge diese Zeitschrift noch lange ihre Straße ziehen.

Information
Das Zündblättchen. ISSN 1866-1726
Einzelheft 1,50 € (zzgl. Versandkosten)
Bestelladresse: Edition Dreizeichen, Goldgrund 15, 01662 Meißen
Tel. 03521/459104
E-Mail: diedreizeichen@aol.com

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